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Fast ist er schon vergessen, der Datenschutzskandal bei Apothekenabrechnungsdienstleistern im Sommer vergangenen Jahres. Nun hat die Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit der Freien Hansestadt Bremen, Dr. Imke Sommer, dem Apothekenabrechnungszentrum NARZ im aktuellen Jahresdatenschutzbericht einen beanstandungslosen Umgang mit Abrechnungsdaten bestätigt.

Sommer kommt zu diesem Schluss, da das NARZ Anfang des Jahres eine ausführliche Dokumentation vorlegte, die aufzeigt, dass eine vollständige Anonymisierung der Datenlieferung erfolgt. Zudem sei die Behörde aufgrund einer Anfrage eines Markforschungsunternehmens wieder mit einer datenschutzrechtlichen Prüfung bei dem NARZ befasst gewesen. Damit hat das NARZ seine Datenlieferungen grundsätzlich geändert. Denn in den Jahren zuvor hatte das NARZ lediglich pseudonymisierte Daten an Marktforschungsunternehmen weitergegeben, welche sich mit weiterem Zusatzwissen wieder einzelnen Personen, Ärzten und Apotheken zuordnen ließen.

Nach Sommer liegt eine vollständige Anonymisierung der Daten erst vor, wenn „jede Veränderung des Verordnungsdatensatzes durch ein Apothekenrechenzentrum, die nicht sozialgesetzlichen Zwecken diene, zu einem Ergebnis führt, das sich nicht mit der versicherten Person, den verordnenden Ärzten und den Apothekern verknüpfen lasse“.

Das Abrechnungszentrum habe bei der Lieferung von pseudonymisierten Daten die Pflicht einzuschätzen, ob durch Zusatzwissen innerhalb des Marktforschungsinstiuts oder durch vorhandenes Wissen bei anderen Organisationen dennoch eine Rückverfolgung auf einzelne Patienten möglich ist. Im Zweifel muss das Abrechnungszentrum davon ausgehen, dass diese Daten vorliegen. Die Datenschutzbeauftragte empfiehlt daher grundsätzlich die Löschung aller identifizierenden Daten im gelieferten Datensatz.

Kommentar: Die öffentliche Debatte über die Lieferung von Abrechnungsdaten brachte damals ein Spiegel Artikel im August 2013 ins Rollen. Damals stand das süddeutsche Apothekenabrechnungszentrum VSA im Fokus des Artikels. Ihm wurde vorgeworfen unzureichend anonymisierte Daten an Marktforschungsunternehmen weitergeleitet zu haben. Die hohe öffentliche Aufmerksamkeit bracht das NARZ damals dazu, nur noch anonymisierte Abrechnungsdaten an Marktforscher zu liefern.

Kurze Zeit später (Oktober) folgte der nächste Skandal: Anbieter von Arztsoftware lesen mit Wissen der Ärzte Patientendaten aus, welche dann an Marktforschungsunternehmen vertrieben werden. Somit ist es möglich zu sehen, in welchen Regionen der Außendienst der Pharmahersteller bei Ärzten mehr Aktivität zeigen muss.

[ilink url=“http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/politik/news/2014/03/25/narz-garantiert-vollstaendige-anonymisierung/12409.html“] Link zur Quelle (Deutsche Apotheker Zeitung)[/ilink]