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Bis heute ist Alzheimer nicht heilbar, kann jedoch in vielen Fällen symptomatisch behandelt werden. Therapien müssen dafür allerdings sehr früh starten, nämlich bevor sich eine beginnende Demenz verschlimmert, darüber sind sich Wissenschaftler einig. Meist wird Alzheimer aber zu spät diagnostiziert, eine wirksame Behandlung ist dann meist Glückssache. Forscher haben nun aber einen Bluttest entwickelt, der in Zukunft die Krankheit schon im Frühstadium erkennen könnte.

Forscher der Ruhr-Universität Bochum (RUB) haben gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität Göttingen und des dortig ansässigen Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) einen Alzheimer-Bluttest entwickelt, der auch zur Früherkennung geeignet sein könnte. Der Test basiert auf einem Infrarotsensor, der immuno-chemisch Alzheimer-Biomarker im Blut oder Nervenwasser über hochspezifische Antikörper herausfiltert und misst, ob diese Antikörper degenerativ verändert sind. Solche Veränderungen weisen auf eine Erkrankung hin und können schon Jahre vor dem Auftreten klinischer Symptome vorliegen.

Prof. Dr. Klaus Gerwert, Leiter des Lehrstuhls für Biophysik der RUB: „Wenn wir in Zukunft über ein Medikament verfügen wollen, das den weiteren Krankheitsverlauf deutlich verlangsamen kann, benötigen wir dringend Bluttests, die die Alzheimerkrankheit bereits in prädemenziellen Phasen entdecken könne. Ein frühzeitiger Einsatz derartiger Medikamente könnte die drohende Demenz entweder aufhalten oder zumindest den Zeitraum verlängern, bis sie auftritt.“

Erste klinische Studien zeigten eine diagnostische Genauigkeit des Sensors von 84 Prozent in Blut und 90 Prozent in Nervenwasser. Um die statistische Signifikanz weiter zu verbessern werden derzeit Messungen an Proben von 800 Probanden durchgeführt. Das Verfahren ist zum Patent angemeldet.

Kommentar: Dr. Tobias Hartmann, Professor für experimentelle Neurologie an der Universität des Saarlandes und Direktor des Deutschen Instituts für Demenzprävention, setzt mit seinen Forscherkollegen ebenfalls auf Prävention. „Gesunde Ernährung sowie die körperliche und geistige Fitness auch im fortgeschrittenen Lebensalter sind wichtig, um der Krankheit vorzubeugen“, betont Hartmann. Im Projekt „Lipi-DiDiet“ untersuchen die Forscher, ob die im Fisch enthaltenen Omega-3-Fette vorbeugend gegen Alzheimer wirken könnten. Weitere Präventionsansätze basieren auf cholesterinsenkenden Statinen, dem Energiestoffwechsel sowie der Identifizierung von Nahrungsbestandteilen, die das Erkrankungsrisiko möglicherweise sogar erhöhen.  

[ilink url=“http://aktuell.ruhr-uni-bochum.de/pm2016/pm00034.html.de“] Link zur Quelle (RUB)[/ilink]