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Auf dem AOK-Tag in Dortmund hat sich die Krankenkasse erneut zum Thema Überversorgung geäußert. Dem Problem gegensteuern will die Kasse mit einem mehrstufigen Modell für eine neue Bedarfsplanung. Das Modell, so wie es die AOK selbst beschreibt, enthält folgende Eckpfeiler:

  • Hausärztliche Versorgung: Hier steht eine möglichst wohnortnahe Versorgung mit möglichst kurzen Wegezeiten im Vordergrund. Basis sind nicht mehr die Planungsbereiche auf Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte, sondern die sogenannten Mittelbereiche, wie sie auch in der Raumordnung genutzt werden. Damit werden regionale Besonderheiten und die Versorgungsfunktionen von Mittelzentren erheblich besser berücksichtigt als bisher. Auch für Kinderärzte wäre eine Bedarfsplanung auf dieser Grundlage sinnvoll.
  • Allgemeine fachärztliche Versorgung: Hierzu zählen etwa Orthopäden, Nervenärzte, Psychiater, Urologen und Dermatologen, also Facharztgruppen, die meist in größeren Zeitabständen oder in bestimmten Lebensphasen in Anspruch genommen werden. Deren Bedarfsplanung soll weiterhin auf Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte erfolgen. Für Augenärzte und Gynäkologen sollen kleinere Planungsräume als die Kreisebene mit mittleren Wegzeiten entwickelt werden, da sie häufiger und regelmäßiger in Anspruch genommen werden als andere Facharztgruppen.
  • Spezialisierte fachärztliche Versorgung: In dieser Stufe wird der Bedarf etwa an Anästhesisten, Radiologen oder Fachinternisten auf der Ebene von sogenannten Raumordnungsregionen ermittelt.
  • Spezialisierte Leistungen: Darunter fallen beispielsweise Neurochirurgen oder Nuklearmediziner – Fachärzte, die nur selten in Anspruch genommen werden. Für diese Arztgruppen sollten qualitative Vorgaben im Vordergrund stehen, keine räumlichen. Da das aber die geltenden Regelungen nicht zulassen, muss ebenfalls auf eine räumliche Verteilung auf Ebene der KV-Regionen zurückgegriffen werden.“
Kommentar: Im Kern einer Bedarfsplanung für Leistungen, die innerhalb der Versorgung erbracht werden müssen, steht eine wohnortnahe Versorgung. Diese wird auch in den Krankenhausplänen an der Länge der Wegezeit als Maß für die Erreichbarkeit definiert. Für die ambulante, haus- und fachärztliche Versorgung wird ein ähnliches Maß zugrunde gelegt. Problematisch scheint hier jedoch das Problem der hohen Arztdichte in den Ballungszetren sowie einem „Versorgungsvakuum“ in den ländlichen Regionen. Ein Pro-Kopf Schlüssel, der ein adäquates Verteilungsmaß darstellen würde, muss immer unter dem zusätzlichen Kriterium der Erreichbarkeit berücksichtigt werden. Somit ist rechnerisch auch ein höheres Maß an Fachärzten in ländlichen Regionen von Bedarf. Die Diskussion um regionalisierte Bezugsgrößen wird die Schiefe in der Verteilung nicht lösen können. 

[ilink url=“http://www.aok.de/nordwest/die-aok/aktuelle-pressemeldungen-schleswig-holstein-154124_210269.php„] Link zur Quelle (AOK)[/ilink]