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Die Zeiten ändern sich. Zum ersten Mal übernimmt eine deutsche gesetzliche Krankenversicherung die Kosten einer internetbasierten Therapie. Diese soll dazu dienen Kindern mit einer diagnostizierten Amblyopie (funktionelle Sehschwäche) zu helfen. Sie soll ab diesem Monat, für Barmer GEK Versicherte kostenfrei, auf spielerische Art und Weise die Sehfähigkeit des schwachen Auges am heimischen PC trainieren.

Das an der TU Dresden entwickelte Verfahren wurde von dem Berliner Start-up Caterna zur marktreifen Onlineanwendung weiterentwickelt und vertrieben. Die Barmer GEK ist die erste Kasse, die für ein solches Verfahren bei dieser Indikation die Kosten übernimmt. Sie wird bei Kindern zwischen vier und zwölf Jahren gewährt, wenn diese zuvor eine Vereinbarung mit der OcuNet Gruppe, einem deutschlandweiten Zusammenschluss von Augenärzten unterzeichnet haben.

An Amblyopie leiden deutschlandweit etwa 5 Prozent aller Kinder. Ursache ist oftmals, dass das Kind im frühen Alter schielt oder eine Brille bräuchte, aber nicht verwendet. Bis diese Defizite behoben sind, wird das schwache Auge vom Gehirn „abgeschaltet“ und kann dementsprechend nicht lernen richtig zu sehen. Der klassische Therapieweg sieht den temporären Verschluss des starken Auges mit einem Pflaster vor, um das schwächere Auge zu fordern und somit die Sehfähigkeit wieder zu erlenen. Sollte diese Therapie nicht ausreichen, kann nun bei der Barmer GEK eine webbasierte Stimulationstherapie begonnen werden. Bei der 3-monatigen Therapie spielt das Kind täglichen 30 Minuten kindgerechte Spiele, während gleichzeitig ein bewegtes Streifenmuster über den Bildschirm läuft, welches das Auge verstärkt fordern soll. Dabei bleibt das starke Auge verschlossen.

Zurzeit liegen noch keine wissenschaftlichen Untersuchungen zur Überlegenheit dieser Therapieform gegenüber der Vergleichstherapie vor. Die Erfahrungen von Anwendern und Ärzten sind jedoch durchgehend positiv.

Kommentar: Der Onlinemarkt wird in naher Zukunft die Gesundheitsbranche bedeutsam verändern. Cloud-basierte Anwendungen vernetzten die Marktteilnehmer (Patienten, Ärzte, Leistungserbringer) auch über die Sprechstunden hinaus miteinander und bieten die Möglichkeit zugleich Daten miteinander auszutauschen. Chefärzte können vom Sofa aus die Vitaldaten ihrer Intensivpatienten auf dem heimischen Sofa überwachen und direkt Anweisungen an ihre Kollegen senden. Andere Anwendungen sollen den Kontakt zu einem ärztlichen Rat erleichtern oder diesen überhaupt erst ermöglichen. Zuletzt hat auch die holländische Versandapotheke Doc Morris angekündigt ihre Kunden über das Internet zu beraten. Man darf also gespannt sein, ob Angebote wie etwa DrEd oder das in diesem Artikel vorgestellte Projekt  in Zukunft zur Selbstverständlichkeit werden.

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