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Der Dachverband der Betriebskrankenkassen generiert jährlich aus Daten und Erhebungen sowie aus Einschätzungen nach Befragungen seiner Mitglieder einen Gesundheitsreport. Im diesjährigen BKK-Gesundheitsreport sind die schwierigen Auswirkungen während und nach der Corona-Pandemie bereits mitberücksichtigt. 2019/2020 waren Atemwegsinfekte gefolgt von Muskel-und Skelett-Erkrankungen noch immer wie in den Jahren davor Krankheitsursache Nummer eins und zwei, dicht gefolgt von Erkrankungen der Psyche, die bei Hartz-IV-Empfängern stärker ausgeprägt sind. Weibliche Mitglieder der BKK sind häufiger krank als männliche und Jüngere ebenso häufiger als Ältere. Allerdings sind ältere Menschen, wenn sie dann erkranken, im Schnitt auch länger von Ausfallzeiten betroffen. Frauen sind ebenfalls häufiger in ambulanter Behandlung; im Schnitt sind aber 91 Prozent der Mitglieder 2019 mindestens einmal ambulant behandelt worden. Frauen nehmen häufiger und bereits in Jungen Jahren (ab 20) an Krebsfrüherkennungsuntersuchungen wahr, während Männer Angebote dieser Art erst größtenteils nach Eintritt des Rentenalters mit 65 bis 79 Jahren in Anspruch nehmen. Arztbesuche werden von beiden Geschlechtern im Schnitt laut Bericht 8,3 Mal jährlich wahrgenommen.

Der BKK-Gesundheitsreport hat auch das mobile Arbeiten im Gegensatz zum Arbeiten in Unternehmen und Betrieben aufgrund von Covid-19 durchleuchtet. Demnach ist die Motivation der Befragten durch die Wahl des Arbeitsortes, durch ungestörteres und konzentrierteres Arbeiten sowie der verbesserten Vereinbarkeit von Beruf- und Privatleben erhöht. Mobiles Arbeiten verringert zudem den zeitaufwändigen und nervigen Pendelaufwand, der – je größer und länger die Wegstrecke ist – die Betroffenen mehr belastet. BKK-Mitglieder, denen es wirtschaftlich besser geht und die einen besseren Schulabschluss haben, haben eindeutig weniger Krankentage als gesellschaftlich schlechter gestellte Mitglieder, die die Kompensation von negativen und positiven Effekten der Corona-Pandemie nicht so gut wegstecken. 44 Prozent der BKK-Mitglieder sind danach Pendler mit mehr oder weniger vielen Krankheitstagen. Es gibt auch noch eine ganze andere Reihe von positiven Auswirkungen des Infektionsgeschehens, wie zum Beispiel Reduktion von Dienstreisen und berufsbedingten Umzügen, aber auch Vertrauensvorschuss durch Arbeitgeber für im Homeoffice arbeitende Befragte. Negative Effekte sind allerdings ebenfalls gegenwärtig. Zu denen zählen unter anderem Vereinsamung und gesundheitsschädliche Arbeitssituationen im eigenen Zuhause. Versorgungs- und Rehabilitationsforscher der Uni Köln, Holger Pfaff, hat herausgefunden, dass eine Kombination aus mobilem Arbeiten und Präsenz im Büro eine optimale Arbeitsplatzsituation ergibt. Auf diese Weise funktionieren individuelle Arbeitsvereinbarungen mit zeit- und ortsunabhängigen Lösungen am besten, aber auch Team-Zusammenstellungen nach fachlicher Qualifikation und nicht nach räumlicher Verteilung beispielsweise. Individuelle Lösungen stärken nach Aussage weiterer Experten Selbstmanagementfähigkeiten und reduzieren so psychische Belastungssituationen und damit Krankheitsausfälle. 

Quelle: Ärzteblatt