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Das deutsche Modell digitaler Gesundheitsdienstleistungen ist im Ländervergleich mit Österreich, der Schweiz, Polen, Dänemark, Estland und Australien eher weniger serviceorientiert. Zu diesem Schluss kommt eine Analyse von Wissenschaftlern. Das wissenschaftliche Institut der privaten Krankenversicherer, kurz WIP, hat sieben Länder mit ihren E-Health-Anwendungen verglichen. Die Autoren der Untersuchung „E-Health-Anwendungen im Ländervergleich“ waren Dr. Frank Wild und Daria Kozica.

Demnach ist Deutschland in Sachen Servicelösungen und Mehrwertdienste eher abgeschlagen, weil diese Faktoren Wettbewerbsinstrumente der Kostenträger sind, die laut Analyse aber hierzulande viel zu spät eingesetzt werden, obwohl sie Patienten und Versicherten einen echten Mehrwert böten. Versicherte erkennen häufig den Nutzen von digitalen Gesundheitsleistungen nicht richtig. Um mehr Akzeptanz und Interesse zu schüren, müssten einige Länder als Vorbildfunktion dienen. Die Funktionalität von E-Health-Anwendungen ist in den einzelnen Ländern aber sehr unterschiedlich ausgeprägt. Während Polen abgeschlagen ist, weil die wenigsten Anwendungen allgemein verfügbar sind, ist Estland ganz vorne. Die Esten haben laut WIP den fortschrittlichsten Entwicklungsstand, auch weil sie 95 Prozent aller Patientendaten digital abwickeln und in 99 Prozent der Fälle E-Rezepte einsetzen.  

In Dänemark und Estland werden alle verfügbaren 27 digitalen Gesundheitsanwendungen eingesetzt, während in Deutschland nur das Gesundheitsinformationsportal inklusive Arztsuche flächendeckend funktioniert. In den beiden nordischen Staaten wird alles zentral geregelt, von der Suche nach Gesundheitsinformationen über die Suche nach einem Mediziner bis hin zur Terminvereinbarung.  

Allerdings weisen die Autoren, die die deutsche Version als zu akademisch einstufen, auch darauf hin, dass die Ausbaustufen im Ländervergleich unterschiedlich weit sind; Theorie und Praxis klaffen weit. Abgeschlagen ist dennoch das polnische System. Dr. Wild und Kozica glauben aber, dass Deutschland weiter vorne sein könnte, wenn Servicelösungen und Mehrwertdienste nicht unterrepräsentiert in der Angebotspalette wären. Viele der sieben Vergleichsländer arbeiten aber bereits heute schon mit elektronischer Patientenakte (ePA), digitalen Arztbriefen und Befunden sowie elektronischen Verordnungen; Deutschland steckt noch in den Kinderschuhen.  

Quelle: www.aerztezeitung.de