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Zwischen den Gesellschaftern der für die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte zuständigen Projektgesellschaft entfachte erneut ein Streit über grundsätzliche Fragen zum Telematikprojekt.
Anlass des Streits: Die Nutzung des Versichertenstammdatenmanagements. Sie ist die erste nach dem SGB V vorgeschriebene Online-Anwendung und dient dazu die Versichertendaten, aktuell zu halten und die eGK im Notfall zu sperren. Dieser Streit eskalierte soweit, dass eine Diskussion über den Verbleib der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) in der Gematik entbrannte.

Die KBV hatte im März dieses Jahres in der Gesellschafterversammlung der Gematik einen Antrag auf die Freiwilligkeit an der Teilnahme des quartalsweisen Online-Datenabgleichs gestellt. Die KBV musste jedoch den Antrag zurückziehen, da die Gematik die gesetzlich vorgeschriebenen Verpflichtungen der Leistungserbringer nicht aufheben kann.

Daraufhin hatte die Vertreterversammlung der KV Nordrhein Anfang Mai der KBV geraten aus der Gematik auszutreten. Daraufhin verabschiedete die KBV-Vertreterversammlung diesen Montag den Beschluss die Mitarbeit in der Gematik und den Testregionen der eGK abzulehnen, wenn die Gematik weiterhin nur die Interessen der Krankenkassen vertrete. Notfalls werde sogar eine Auflösung der Gematik gefordert. Die eGK sollte eigentlich “ die Kommunikation zwischen Ärzten und Psychotherapeuten, zwischen Praxen und Krankenhäusern sowie mit den Versicherten [verbessern]. Entstanden ist vielmehr eine rein kassenzentrierte Telematikinfrastruktur für Verwaltungsaufgaben wie das Versichertenstammdatenmanagement“, so begründete Andreas Köhler, KBV-Vorsitzende, den Beschluss der Vertreterversammlung.

Kommentar: Bereits auf dem Ärztetag 2010 äußerte die Ärzteschaft Vorbehalte gegenüber der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte. Die Kritikpunkte waren damals die gleichen wie heute: Durch die Aktualisierung der Stammdaten würden Ärzte zu Handlagern der Krankenversicherungen gemacht indem sie Verwaltungsaufgaben für sie übernehmen würden. Dieses Argument entkräftete jedoch schon die Landesärztekammer im gleichen Jahr. Nach ihrer Auffassung überwiegen jedoch die Vorteile für alle Beteiligten. Neben einem erhöhten Service für die Versicherten würden auch die Ärzte durch aktuelle Versichertenstammdaten profitieren. Es ist damit zu rechnen, dass trotz des Widerstands der Ärzteschaft das Versichertenstammdatenmanagement in Ihrer vorgesehenen Form eingeführt wird.

[ilink url=“http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/54536/Gesundheitskarte-Streit-um-Online-Datenabgleich-in-den-Praxen“] Link zur Quelle (Ärzteblatt)[/ilink]