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Die vorerst gescheiterte Rhön-Übernahme durch den Helios-Mutterkonzern Fresenius könnte für mehr Zusammenschlüssen unter den kommunalen Kliniken und zur Schaffung neuer eigener Klinikverbünde beitragen. Für viele der kommunalen Häuser sind oftmals nur die Schließung oder der Verkauf an eine private Kette die einzigen Alternativen.

Der Trend geht schließlich auch bei den öffentlichen Kliniken in Richtung Konzentration: Gab es 1992 in Deutschland noch 1100 kommunale Kliniken, so waren es 2010 nur noch 630. Die Differenz ist geschlossen oder übernommen worden. Aktuell, so berichtet das Rheinisch-Westfälische Insititut für Wirtschaftsforschung, sei jedes fünfte öffentliche Krankenhaus insolvenzgefährdet.

In diesem Zeitraum ist auch die Konkurrenz durch private Kliniken gewachsen. Der Vorteil privater Kliniken scheint neben den Synergieeffekten aus dem Agieren im Verbund auch in der schnelleren Entscheidungsfindung zu liegen. Zudem wirtschaftet die private Konkurrenz profitabler und verfügt über eine deutliche höhere Eigen- sowie Gesamtkapitalrentabilität. Ihren Anteil am Klinikmarkt, der von der deutschen Krankenhausgesellschaft auf 74 Mrd. Euro geschätzt wird, haben die Privaten inzwischen auf ein Drittel ausgebaut. Über 37 Prozent verfügen die freigemeinnützigen Krankenhäuser, 30 Prozent bleiben den Öffentlichen.

Kommentar: Der zunehmender Wettbewerb zwischen den Kliniken bei gleichzeitig immer neuen gesetzlich verordneten Belastungen hat zur einer Konzentration auf dem Klinikmarkt geführt. Hinzu kommt, dass die weitere Verlagerung von stationären Leistungen in den ambulanten Bereich, die Fokussierung der Krankenhausplanung auf Vorgaben zur Strukturqualität sowie der durch Fördermittel nicht mehr gedeckte Investitionsbedarf die Rahmenbedingungen vor allem für kommunale Kliniken maßgeblich erschwert haben.

Aktuelle Beispiele für kommunale Klinikzusammenschlüsse sind die Regiomed Kliniken oder das Klinikum Westfalen. Im Rahmen des Klinkverbunds Regiomed ist regionaler Gesundheitskonzern in vier Landkreisen  (Thüringen und Bayern) mit etwa 3.000 Beschäftigten, 1.400 Betten, mehr als 60.000 stationären und 80.000 ambulanten Patienten entstanden.

Das Klinikum Westfalen hat kürzlich das Hellmig Krankenhaus in Kamen in seinen Verbund aufgenommen, in dem jährlich 30.000 stationäre Patienten versorgt werden.

Quelle: WirtschaftsWoche, 09.07.2012, Nr.28