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Etwa zehn bis 15 Millionen Menschen in Deutschland haben eine Hörminderung. Davon benötigen rund 6,5 Mio. Personen die Unterstützung durch ein Hörgerät, in der Realität nutzen jedoch nur drei Millionen eines. Durch den Austausch von Altgeräten und neue Patienten mit Hörproblemen wurden 2012 902.000 Hörgeräte abgesetzt mit einem Marktvolumen von 1,2 Mrd. Euro. Bis 2030 soll die Zahl der Patienten noch weiter steigen. Dann soll bereits jeder zweite Deutsche an einer Überforderung des Innenohres leiden.

Neben diesem beachtlichen Marktwachstum im Bereich von Patienten mit Hörproblemen möchte die Branche nun auch weitere Zielgruppen erschließen und somit wachsen. Neues Ziel: Die Gesunden. Auf der ifa 2013 stellte die Branche dazu Hörgeräte für Personen mit gesundem Gehör vor. „Das werden andere Apparate sein als die für Schwerhörige“, sagte Hans-Peter Bursig, Präsident des Bundesverbandes der Hörgeräteindustrie. Diese könnten für Personen nützlich sein, die in einer lauten Umgebung arbeiten aber dennoch Gespräche und leise Geräusche mitbekommen müssen. Siemens nennt beispielhaft das Szenario eines Jägers, der Anweisungen über Funk erhält, leise Geräusche wahrnehmen muss und zugleich vor lauten Geräuschen geschützt wird.

Kommentar: 2005 gab es in Deutschland insgesamt 3.200 Hörgerätefachgeschäfte. Etwas mehr als die Hälfte (1.700) gehörten Filialen an. Zuletzt stieg sogar Fielmann in den stark wachsenden Markt ein, mit dem Ziel 200 Abteilungen für Hörgeräte deutschlandweit zu eröffnen. Rückenwind erhielten die Hersteller und Handelsketten durch das Bundessozialgericht. Es entschied, dass Hörgeräte in vollem Umfang erstattet werden müssen. Im Durchschnitt könnten dies 1.000 Euro pro verschriebenen Hörgerät sein.

Einige Experten sehen diesen Trend jedoch kritisch und halten es für schlichtweg falsch ein schon geschädigtes Ohr mit einer vielfachen Verstärkung der Außengeräusche es weiter zu belasten. Sie raten dazu statt Hörgeräte Ohrstöpsel zu nutzen und den Ohren einen Moment der Ruhe zu gönnen, damit diese sich wieder regenerieren können. Laut Dr. Lutz Wilden, Initiator des Forums „Das gesunde Ohr“ und Tinnitusexperate meint: “ Ein Hörgerät sollte so spät wie möglich verschreiben werden. Schalten Sie es so oft wie möglich aus und ersetzen sie es durch Ohrstöpsel.“

[ilink url=“http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/hoergeraete-fuer-gesunde-wie-bitte-1.1770318″] Linkt zur Quelle (Süddeutsche Zeitung)[/ilink]