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Die Finanzierung eines Gesundheitssystems hat einen großen Einfluss darauf, ob Patienten die gesteckten Therapieziele erreichen. Dies wies eine deutsch-britische Studie nach, die auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in Amsterdam präsentiert wurde. Ein Hauptpunkt ist die Regelung, wie restriktiv Verordnungen geregelt sind. Im restriktiveren Deutschland erreichen weniger Personen ihr Therapieziel als in Ländern, in denen Ärzte nach dem Therapieerfolg bezahlt werden.

Zwischen Juni 2008 und Februar 2009 wurden im Rahmen der Beobachtungsstudie DYSIS (Dyslipidemia International Survey) die Qualität der Therapie mit Blutfettsenkern des Typs der Statine in elf europäischen Ländern und Kanada an rund 22.000 Patienten untersucht. In einer aktuellen Subanalyse wurden die Daten von 4.260 deutschen und 540 britischen Patienten genauer ausgewertet.

Während in Deutschland den Ärzten für die Verschreibung ein Budget vorgegeben wird und sie somit mit finanziellen Einbußen rechnen müssen, wenn dieses überschritten wird, werden Ärzte in Großbritannien nach dem Grad der Zielerreichung z.B. von Cholesterin-Zielwerten vergütet. Es zeigte sich, dass britische Ärzte aggressivere Behandlungsstrategien einsetzen, da der Anreiz besteht die Zielwerte zu erreichen. Zudem müssen Ärzte in GB zur Qualitätskontrolle regelmäßig die Cholesterienwerte ihrer Patienten überprüfen. Deutsche Ärzte sind in ihrem Verhalten deutlich konservativer und nutzen teurere Therapien seltener.

Die Ergebnisse der Studie (im Detail hier nachzulesen) zeigen also, dass Gesundheitssysteme, die auf die Kontrolle der Arzneimittelkosten abzielen zuerst eine Einsparung gegenüber Systemen erzielen, die zielorientiert vergüten. Ob dies auch langfristig zu Kosteneinsparungen führen kann, ist jedoch nicht eindeutig. Das englische System ist zwar anfänglich teurer, dürfte jedoch langfristig zu weniger Komplikationen führen. Fraglich ist jedoch, ob eine radikalere Therapie auch im Interesse der Versicherten ist.

Somit zeigen beide Systeme, dass die längst bekannte Problematik sich zwischen Prävention und akuten Behandlungsbedarf entscheiden zu müssen, weiterhin besteht. Aus der aktuellen Berichterstattung kann entnommen werden, dass sich das deutsche Gesundheitssystem und die Krankenkassen gegen eine präventionsorientierte Sichtweise entschieden haben (siehe Bericht: Krankenkassen im Brennpunkt der Diskussionen). Keines der beiden Gesundheitssysteme scheint jedoch im Vorteil zu sein. Beide zeichnen sich durch stark steigende Ausgabenzuwächse aus und sind geprägt von einer Politik des Sparens. In GB gilt so ab 01.01.2013 die NHS-Reform, die bis 2015 jährlich rund 13 Mrd. Euro (10%) einsparen soll, während in Deutschland auch dauerhaft versucht wird Rationalisierungsreserven zu heben.