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Bei der morgen beginnenden Rehacare in Düsseldorf sind Roboter als Assistenten für ältere, kranke und behinderte Menschen eines der großen Themen. Experten prognostizieren Haushaltshelfern, Notfallassistenten, Ess-, Geh- und Mobilitätshilfen oder Rollstühlen mit Roboterarm eine vielversprechende Zukunft. Denn die Einsatzmöglichkeiten der Assistenzrobotik in Rehabilitation und Pflege sind vielfältig, und die Potenziale sind noch lange nicht ausgeschöpft.

Robotersysteme können zum Beispiel – je nach Grad der Einschränkung des Betroffenen – bei der Arbeit durch Kraftunterstützung oder durch Ausgleich nicht mehr vorhandener körperlicher oder kognitiver Fähigkeiten helfen, die Bewältigung von Haushaltstätigkeiten sowie die Mobilität und Kommunikation unterstützen oder die Selbstpflege – z.B. durch Hilfe beim Waschen, Ankleiden oder Essen – erleichtern.

Ein mögliches Szenario könnte sich in Zukunft wie folgt abspielen: Ein älterer Mensch stürzt. Die Sensorbox in seiner Wohnung erkennt die Notsituation und schickt den mobilen Assistenzroboter zu ihm; der erfasst die Lage des Verunglückten, ermöglicht ihm über seinen integrierten Bildschirm die Kommunikation mit dem Notdienst, versucht ihm, wenn möglich, aufzuhelfen oder versorgt den Verletzten während der Wartezeit auf die Helfer mit einem Glas Wasser.

Nicht alle Assistenzroboter sind allerdings schon auf dem Markt. Ein Problem seien häufig die hohen Kosten und die Zuverlässigkeit. Realität hingegen sind bereits zwei Systeme, die auch der Rehacare vorgestellt werden: Die Esshilfe „MySpoon“ und der Roboterarm „Jaco“, der Rollstuhlfahrer bei der Handhabung unterstützen soll, sind bereits für den praktischen Einsatz erprobt und verfügbar.

Noch sei der Markt für sogenannte Rehabilitationsroboter klein: Von den 2011 weltweit verkauften 2,5 Millionen Servicerobotern beispielsweise für Staubsaugen und Bodenreinigung dienten gerade einmal 156 Stück der Unterstützung von Pflegebedürftigen – darunter vor allem automatisierte Rollstühle sowie Therapie- und Trainingsroboter. „In den nächsten vier Jahren könnte es aber eine vierstellige Zahl an verkauften Geräten geben“, sagt Robotik-Expertin Birgit Graf vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung.

Infolge der alternden Gesellschaft könnten Assistenzroboter einen Beitrag dazu leisten, die Selbstständigkeit und Lebensqualität hilfebedürftiger Personen zu steigern, indem sie ihre Abhängigkeit von Dritten verringern. Voraussetzung hierfür ist jedoch die Akzeptanz der Benutzer und eine einfache Bedienbarkeit bzw. eine angemessene Einweisung in die technisch aufwendigen Hilfsmittel. Wichtig ist zudem, dass der Roboter menschliche Kontakte und Pflegekräfte nicht ersetzen kann, sondern lediglich unterstützen soll. Mit dieser Wahrnehmung und einem zunächst sehr eingeschränkten und zuverlässig ausführbaren Aufgabenbereich könnte die Assistenzrobotik auch in Deutschland einen Beitrag zur Unterstützung in der Pflege leisten – die Kostendebatte bleibt hierbei einmal ausgeklammert.