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Günter Wältermann, der neue Chef der AOK Rheinland/Hamburg, hat eine Fusion aller allgemeinen Ortskrankenkassen zu einer Bundes-AOK vorgeschlagen. Eine Bundes-AOK hätte mit rund 24,4 Millionen Versicherten dann einen Marktanteil von rund 35 Prozent.

Als Vorteil nannte Wältermann im Gespräch mit der „Rheinischen Post“ die höhere Einkaufsmacht der Kasse: „Ein solcher Zusammenschluss hätte viele Gestaltungsmöglichkeiten gegenüber Pharmaherstellern, Krankenhäusern und Ärzten. Für das gleiche Geld könnten mehr Leistungen eingekauft werden.“ Die Regionalität bliebe erhalten.

Der Trend der Fusion von Krankenkassen ist unumkehrbar. Ob ihre Zahl am Ende 30, 50 oder 70 betragen wird, ist für die Player im Markt nicht entscheidend, wichtiger sind die Folgen, die sich aus der steigenden Nachfragemacht des Krankenkassen ergeben. Die wichtigste Konsequenz wird in den nächsten Jahren eine Konsolidierung im Bereich der Leistungserbringer sein. Die großen – bundesweit agierenden – Einheiten bei den Kostenträgern werden sich große bundesweit agierende Partner in der Versorgung suchen.

Die Konsolidierung hat schon begonnen, sie wird zu einem vermehrten Einstieg von Finanzinvestoren führen und zu einer Standardisierung und Industrialisierung in der Versorgung. In Zukunft werden sich in der Folge Ketten im Bereich der Krankenhäuser, Sanitätshäuser und Homecareunternehmen bilden. Dies gilt auch im niedergelassenen Bereich, z. B. in der Labormedizin und in der Radiologie, wo sich der schon heute bestehende Trend zu größeren Einheiten fortsetzen wird. Auch versorgungsübergreifende Einheiten werden sich verstärkt bilden, Krankenhausträger werden Nachversorger integrieren und über MVZ auch den Patienten im niedergelassenen Bereich steuern. Die Industrie ist gut beraten, sich frühzeitig auf diesen Trend vorzubereiten.