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Zuletzt wurde vermehrt verkündet, dass verschiedene Unternehmen, Ministerien oder Verbände der Gesundheitswirtschaft sich einer gemeinsamen Sache verpflichtet haben. Zur organisatorischen Verankerung gründeten sie hierzu Ausschüsse, Allianzen, Bündnisse oder Kooperationen. Doch was bewegt die Mitglieder zu dieser freiweilligen Zusammenarbeit?

In der letzen Woche haben bspw. zehn führende biopharmazeutische Unternehmen bekannt gegeben, dass sie eine gemeinnützige Organisation zur Beschleunigung der Entwicklung neuer Medikamente mit dem Namen TransCelerate BioPharma Inc. gegründet haben. Die Initiative will sich dafür einsetzen, dass Pharmaunternehmen in frühen Forschungsphasen stärker zusammenarbeiten und einheitliche Standards schaffen. Einen Tag später verkündeten das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und das Bundesministerium für Gesundheit anlässlich des Welt-Alzheimer-Tages am 21. September 2012 die Gründung „Allianz für Menschen mit Demenz“. In einer gemeinsamen Erklärung hat sich diese Allianz vor dem Hintergrund der jüngst beschlossenen Pflegereform vorgenommen, bis Ende 2013 konkrete Maßnahmen in verschiedenen Handlungsfeldern zu beschließen, um zum Beispiel die gesellschaftliche Teilhabe Demenzkranker zu verbessern und Erkrankte sowie ihre Familien zielgerichteter zu unterstützen. Mitglieder der Allianz sind neben den beiden Ministerien Vertreter der Länder, Verbände und Organisationen, die auf Bundesebene Verantwortung für Menschen mit Demenz tragen, wie etwa die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. – Selbsthilfe Demenz – , der Deutsche Pflegerat und die Bundesärztekammer. Zuvor hatte der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) hat einen gemeinsamen Ausschuss mit dem Ziel der Entwicklung einer branchenübergreifenden Perspektive für alle im Gesundheitssektor tätigen Unternehmen ins Leben gerufen.

Grundsätzlich versteht man unter einem Bündnis ein vertraglich geregeltes Verhältnis zwischen gleichberechtigten Partnern. Dabei verfolgen die Beteiligten, welche natürliche Personen, juristische Personen oder Staaten sein können, ein gemeinsames Ziel und erhoffen sich durch eine Bündelung von Interessen, Know-How und Einfluss diese Zielsetzung besser erreichen zu können. Zu diesem Zweck wird nicht selten versucht, die öffentliche Wahrnehmung eines bestimmten Themas durch Presseerklärungen, Anzeigekampagnen, Auftritte in Podiumsdiskussionen, Hintergrundgesprächen mit Journalisten oder Verfassen von Fachartikeln in Zeitschriften zu beeinflussen.

Im Hilfsmittelmarkt haben Bündnisse unter Herstellern eine geringe Verbreitung. Das seit Mitte 2008 aktive Aktions­bündnis „meine Wahl“ stellt hier eine Ausnahme dar. Das Bündnis wird von vielen Orga­nisationen, Versorgungspartnern, Her­stellern und Menschen mit Behinde­rung getragen und setzt sich für eine bedarfsgerechte, qualitätsgesicherte und dem Stand der Technik entsprechende Versorgung mit Hilfsmitteln ein. Zur Zielerreichung hat sich das Bündnis mit einer bundesweiten Informations- und Mobilisierungskampagne engagiert.

Die kürzlich geschlossenen Bündnisse im Gesundheitswesen zeigen jedoch, dass zum Zweck einer gemeinsame Zielerreichung – sei es eine effektivere Medikamentenforschung oder die Verbesserung der gesellschaftlichen Teilhabe Demenzkranker – das Agieren im Verbund von Vorteil sein kann. Dies ist sicherlich auch auf Seiten der Hilfsmittelhersteller sinnvoll. Denn hier bieten sich neben der Lobbyarbeit gegen die Ausschreibungspraxis der Krankenkassen noch weitere Möglichkeiten. So könnte eine Kooperation von Hilfsmittelherstellern entlang des gesamten Versorgungsspektrums einen Beitrag zu Steigerung der allgemeinen Versorgungqualität leisten. Hierbei stellen sich beispielhaft folgende Fragen: Welche gemeinsamen Zielsetzungen lassen sich im Hilfsmittelmarkt durch eine Zusammenarbeit auf Herstellerebene stärker fördern? Wie könnte diese Zusammenarbeit gestaltet werden und welche Maßnahmen müssten ergriffen werden?