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Bis zu fünf Millionen Menschen in Deutschland leiden unter chronischen Wunden. Die bekannteste chronische Wunde ist das Wundliegen. Besonders betroffen sind Diabetiker und Patienten mit Gefäßkrankheiten. Ebenfalls gefährdet sind Raucher. Der Großteil der Patienten mit chronischen Wunden leidet an einer von drei Grunderkrankungen: Dekubitus, Diabetisches Fußsyndrom oder Ulcus Cruris.

Die Erkrankungsrate chronischer Wunden und damit die Patientenzahl werden mit Alterung der Gesellschaft weiter zunehmen. Die jährliche Inzidenz liegt international bei acht Patienten pro 1000 Einwohner. Für Deutschland bedeutet dies eine jährliche Neuerkrankungsrate chronischer Wunde in Höhe von etwa 650.000 Patienten. Und infolge der steigenden Zahlen derartiger Krankheitsfälle – hervorgerufen etwa durch Durchblutungsstörungen und Bettlägerigkeit –  wird die Finanzierung der Behandlung zunehmend zum Problem.

Der Chefarzt Mostafa Ghahremani von den Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg warnte nun in einem Bericht der Fachzeitschrift kma-online vor den Folgen dieser Entwicklung: Mit Blick auf die sehr aufwendige und teure Behandlung  – bei einem schweren Druckgeschwür müsse man seinen Angaben zufolge bis zu 15 000 Euro veranschlagen – werden die Belastungen für die Gesundheitssystem erheblich steigen. Gehe man von den jährlich neu hinzukommenden chronischen Wunden davon aus, dass knapp ein Drittel schwere Fälle wären, würde diese Belastung bei einer Höhe von bis zu drei Milliarden Euro liegen.

Vor dem Hintergrund steigender Kosten lohnt sich ein Blick auf eine medizinische Therapieoption. Als vielversprechende Alternative zur klassischen Wundversorgung gilt die moderne Wundversorgung, die sich jedoch trotz ihrer Behandlungseffizienz und der geringeren Kosten noch nicht vollständig etabliert hat. Im Rahmen einer aktuelle Studie der AOK, der Ersatzkassen und der Knappschaft wurden nun auf Initiative des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) zwei große kontrollierte Studien angeschoben. Und zwar mit dem Fokus auf der Unterdruck-Wundtherapie. Dabei geht es zum Einen um die Effektivität bei diabetischen Fußulzera und zum Anderen um postoperative abdominelle Wundheilungsstörungen nach Laparotomie. Für die Studie zum diabetischen Fußsyndrom nehmen derzeit 50 hoch qualifizierte Zentren teil, darunter Kliniken und ambulante Zentren. Für die Studie zur Bauchwunde sind es 30 Zentren. Begleitetet wir die Studie von den Industriepartnern KCI Medizinprodukte GmbH und Smith& Nephew als Anbieter von NPWT-Systemen

Ein weiterer Bestandteil der Studie ist die Frage der Kosten-Nutzen-Relation im Vergleich mit der Standardwundversorgung. Wenn der Nutzen der Vakuumtherapie von Wunden in den Studien nachgewiesen werden kann, könnte dies dazu führen, dass die Therapie in den GKV-Leistungskatalog aufgenommen wird.