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Die zunehmende Zahl älterer Menschen und ihr wachsender Anteil an der Bevölkerung ist ein wichtiger Bestandteil des demographischen Wandels in Deutschland. Fakt ist, dass sich aufgrund niedriger Geburtenraten und der steigenden Lebenserwartung die Altersstruktur der Bevölkerung zugunsten der höheren Altersgruppen entwickelt. Der Anteil der älteren Bevölkerung (65 Jahre und älter) in Deutschland wird im Jahr 2030 ein Drittel ausmachen.

Im Zuge der demographischen Alterung kommt es zu häufigerem Auftreten von bestimmten Erkrankungen, wie das Fritz Beske Institut für Gesundheits-System-Forschung Kiel (IGSF) in einer Studie zur Entwicklung von 22 Krankheiten bis zum Jahre 2050 prognostiziert hat. Demnach wird es insbesondere eine Zunahme bei chronischen Volkskrankheiten, wie bspw. Diabetes mellitus, geben.

Gleichzeitig ist aber auch von einem Wandel des Krankheitsspektrums auszugehen, auf den sich Leistungserbringer im Gesundheitssystem strukturell einstellen müssen. So wird bspw. die Anzahl der an Gehörkrankheiten leidenden Menschen deutlich zunehmen. Diesbezüglich wird der prozentuale Zuwachs von Menschen mit Taubheit bis zum Jahr 2030 in etwa 14 Prozent (314.000) betragen. Die Zahl der Erkrankten pro 100.000 Menschen steigt im gleichen Zeitraum von 335 auf 443 (+23 Prozent). Ähnliche Steigerungsraten gelten für Menschen, die an Schwerhörigkeit leiden.

Da Schwerhörigkeit und Taubheit altersabhängig sind – und vor allem ab dem 60. Lebensjahr deutlich ansteigen – ist künftig also aus Sicht einiger Hörgerätehersteller wie Widex, Octicon oder Phonak von einem starken Potential auszugehen. Hinzu kommt, dass es sich hierbei um einen ausschließlich ambulanten Markt mit individuell angepassten Hilfsmitteln handelt, bei denen die Patienten aufgrund der geringen Zuschüsse aus dem Kassensystem zu hohen Zuzahlungen gezwungen sind. Weitere Aspekte dieses Marktes auch aus Sicht von Finanzinvestoren sind die guten Margen bei den Versorgungen, die verlässliche Kalkulation der Festbeträge sowie ein geringes Risiko vor Ausschreibungen.

Neben dem Nischenmarkt Hörgeräte gibt es aufgrund der demogaphischen Entwicklung zahlreiche attraktive Märkte, die es im Detail zu betrachten gilt. Ein guter Einstieg hierzu kann eine Gruppierung der Krankheiten zu bestimmten Bedarfsprofilen sein. Bedingt durch die wachsende Multimorbidität führen meist mehrere Indikationen in Kombination zu einem kombinierten Produktbedarf. Insbesondere Versorgungsunternehmen im ambulanten Markt können von diesen Entwicklungen in den nächsten Jahren stark profitieren, da sich ebenfalls die Zahl der ambulanten Pflegefälle weiter erhöhen wird.