Seite auswählen

Die Finanzkrise zwingt offenbar viele europäische Staaten, beim Gesundheitswesen den Rotstift anzusetzen: Laut OECD-Gesundheitsbericht sind die Ausgaben für Gesundheit in der Europäischen Union erstmals seit 1975 gesunken. Als Grund sieht die OECD die Anstrengungen der Euro-Staaten, durch Einsparungen ihr Haushaltsdefizit in den Griff zu bekommen. Eine der wenigen Ausnahmen von diesem Trend ist Deutschland.

Wie die OECD-Analyse deutlich macht, sind die Ausgaben für Gesundheit pro Kopf in Deutschland im Jahr 2010 um 2,7 Prozent gestiegen und damit stärker als in den Jahren zuvor. Während Deutschland einen Ausgabenzuwachs verzeichnet, sanken die Ausgaben in der Europäischen Union in 2010 um 0,6 Prozent. Zwischen 2000 und 2009 waren sie jährlich um 4,6 Prozent gestiegen – und damit zwei oder dreimal so schnell wie die Einkommen in vielen Ländern. Den stärksten Einbruch erlebten die Länder Irland, Estland, und Island. Hier sanken die Ausgaben für Gesundheit um sieben Prozent. Auch in Griechenland nahmen die Ausgaben für Gesundheit mit 6,7 Prozent recht deutlich ab.

 

Deutschland gehört zu den Ländern, die gemessen am BIP mit 11,6 Prozent am meisten für Gesundheit ausgeben. Nur in den Niederlanden war der Anteil mit 12 Prozent höher. Dieser Anteil fiel EU-weit 9,2 Prozent im Jahr 2009 auf 9 Prozent im Jahr 2010.

Wirft man einen genaueren Blick auf die Ausgaben, wird deutlich, dass die größten Einsparungen bei Gesundheits- und Vorsorgeprogrammen vorgenommen wurden: Gerade mal drei Prozent des Gesundheitsbudgets in der EU flossen in die Prävention – ein Rückgang von 3,2 Prozent. In Deutschland war die Vorsorge der einzige Sektor, in dem die Ausgaben im Jahr 2010 gesunken sind. Hierzulande wurden sogar knapp elf Prozent an Präventionsleistungen gespart.

Ob die Kürzungen in den europäischen Ländern Auswirkungen auf den allgemeinen Gesundheitszustand der Menschen haben werden, ist derzeit noch nicht abzusehen. Bevor Folgen von schwierigen sozialen Verhältnissen und mangelnder Gesundheitsversorgung in den betroffenen Ländern sichtbar wird, wird es noch einige Zeit dauern. Demgegenüber werden diese Länder sehr zeitnah im Zusammenhang der Einsparungen von einem Abbau der Arbeitsplätze im medizinischen Sektor, schärferen Budgetauflagen für Krankenhäuser und Lohnkürzungen betroffen sein. Zusätzlich kann davon ausgegangen werden, dass die dortigen Verbraucher immer mehr Zusatzzahlungen leisten – etwa bei Medikamenten oder anderen Gesundheitsdienstleistungen. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Einsparungen im Präventionsbereich in Deutschland später in Form gestiegener Behandlungskosten wieder bemerkbar machen.