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Im europäischen Gesundheitskonsumenten-Index „Euro Health Consumer Index“ 2013  (EHCI) landete das deutsche Gesundheitssystem mit mit 796  von maximal 1.000 Punkten auf dem siebten Rang und konnte sich somit von dem sehr schwachen 14. Platz im Vorjahr erholen. Denn im vergangenen Jahr rangierte dieses lediglich auf dem 14. Platz und wurde im europäischen Vergleich als nur mittelmäßig bewertet.

Der EHCI hat sich seit dem Beginn im Jahr 2005 zum Industriestandard für die Überwachung des modernen Gesundheitswesens entwickelt und ist zusammengesetzt aus öffentlichen Statistiken, Patientenumfragen und unabhängiger Forschung. Diese wird dabei von Health Consumer Powerhouse Ltd. ausgeführt, einem schwedischen Privatunternehmen, das die Leistung der Gesundheitssysteme in Europa und Kanada misst, um Patienten und Konsumenten den Rücken zu stärken. Der EHCI 2013 wurde durch unbegrenzte Fördergelder von Pfizer Inc. (USA), Medicover S.A.(Belgien) und der New Direction Foundation (Belgien) unterstützt.

In der 7. Auflage des EHCI verteidigten die Niederlande mit 870 ihre Spitzenposition, gefolgt von der Schweiz, Island, Dänemark und Norwegen. Für die Studie wurden 35 Länder unter die Lupe genommen. Im Großen und Ganzen sei das deutsche Gesundheitssystem großzügig und verbraucherfreundlich, zeige jedoch Schwächen bei der Vorsorge, so das Fazit. Ein auf Versicherungen basiertes Gesundheitswesen scheine einem von Steuern getragenen beim EHCI stets überlegen zu sein. Die Verfasser der Studie haben für die Untersuchung insgesamt 48 Indikatoren für die Qualität der Versorgung berücksichtigt. Dazu gehören unter anderem, wie häufig Krebspatienten trotz Behandlung sterben, wie lange Patienten auf einen Termin beim Hausarzt warten müssen, wie lange Krankenkassen warten, bis sie neuartige Medikamente und Therapien finanzieren oder wie leicht es für Patienten ist, ihre eigenen Krankenakten einzusehen. Deutschland schnitt in fast allen Punkten gut bis teilweise sehr gut ab und landete häufig in den oberen Bereichen. Auf 1.000 Einwohner kommen hierzulande beispielsweise mehr als acht Krankenhausbetten. Im internationalen Vergleich ist dies ein sehr hoher Wert, der nur noch von Japan, Südkorea und Russland übertroffen wird.

Trotz guter Ergebnisse konnte das deutsche Gesundheitssystem diesmal wieder keinen der Medaillenränge beschreiten. Einer wichtigen Eigenschaft fehlt es hierzulande, denn die Behandlungsergebnisse sind nur Mittelmaß. „Es mag seltsam klingen, Deutschland und mittelmäßige Qualität in einem Atemzug zu nennen. Aber das ist die Achillesferse der deutschen Gesundheitsversorgung“, so Arne Bjornberg, Vorsitzender des EHCI. Bjornberg sieht das Problem in der Struktur der deutschen Kliniklandschaft. „Deutschland hat sehr viele sehr kleine Krankenhäuser, die aber nicht spezialisiert sind“. In vielen anderen europäischen Ländern gibt es zwar auch viele kleine Häuser, dieses sind aber in der Regel Fachkliniken. So kritisieren Experten beispielsweise häufig, dass die Behandlungsergebnisse nicht mit den hohen Ausgaben für Krankenhäuser und Behandlungen Schritt halten. Zuletzt hatte die Organisation für Wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) darauf hingewiesen, dass die Patienten zu wenig für ihr Geld bekommen. Somit folgt Deutschland einem anhaltenden Trend, der sich in verschiedenen Teilen Europas in den letzten Jahren immer häufiger zeigte. Geht es einem Land schlecht, wird traditionell erst bei der Bildung und anschließend bei der Gesundheit eingespart, was sich wiederum in der Qualität widerspiegelt.

Die Bundesbürger selbst sind im europäischen Vergleich überdurchschnittlich zufrieden mit dem eigenen Gesundheitssystem. Als größte künftige Bedrohungen werden eine Zunahme der Zwei-Klassen-Medizin sowie der Anstieg der privaten Gesundheitskosten betrachtet. Zum ersten Mal seit Beginn der Messungen hat der EHCI eine wachsende Kluft zwischen den Gesundheitssystemen der finanziell starken Wohlstandsländer Europas und der weniger wohlhabenden und von der Krise geprägten Länder festgestellt. Für das Jahr 2013 waren in der oberen Hälfte des Index kaum Länder mit mittleren Volkseinkommen aufgeführt. Die Behandlungsergebnisse von Krebserkrankungen und auch die Überlebensrate von Säuglingen verbessern sich weiter in ganz Europa. In Zeiten der Sparkurse zeigen Länder mit hohen Einkommen stärkere Verbesserungen, wodurch die Kluft zwischen armen und reichen Ländern in Europa weiter anwächst.