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Die niederländische Versandapotheke Doc Morris, welche in letzter Zeit hauptsächlich durch verlorene Gerichtsurteile und Ordnungsgelder von mittlerweile 600.000 Euro von sich reden machte, tritt nun wieder mit einer neuen Idee in Erscheinung. Mit Hilfe von Videoberatung soll Kunden ein besserer Service geboten werden. Der zusammen mit der Deutschen Telekom entwickelte Service soll besonders bei Kunden in ländlichen Gegenden, immobilen Patienten und Konsumenten mit hohem Beratungsbedarf zum Einsatz kommen.

Ab dem zweiten Halbjahr 2014 soll der Service zuerst für die Indikationen Gelenkschmerz, Allergien und Asthma nutzbar sein und auch nur für Produkte die nicht verschreibungspflichtig sind angeboten werden. Bei Erfolg soll der Service dann sukzessive auch auf andere Indikationen ausgeweitet werden. Ob die Dienstleistung kostenlos angeboten wird, wird sich nach Aussage von Doc Morris im Laufe den ersten Monaten der Projektlaufzeit entscheiden.

Dieser Schritt dürfte als Versuch gewertet werden der dauerhaften Kritik von Apothekerverbänden und Verbraucherschützern, die eine unzureichende Beratung von Online-Apotheken anprangern, etwas entgegenzusetzen. Dass die Kritik an der Beratungsqualität von Online-Apotheken gerechtfertigt ist, zeigte ein Test der Verbraucherzentrale NRW von 50 Versandapotheken im letzten Jahr. Obwohl eine E-Mail der fingierten Kundin eine Abhängigkeit von Schlafmitteln nahelegte, versandten dennoch 90 Prozent der Apotheken rechtswidrig das bestellte Schlafmittel, 60 Prozent sogar die gesamte bestellte Menge von fünf Packungen mit der die maximal empfohlene Einnahmedauer weit überschritten werden kann. Doch auch in den Offizinapotheken ist es um die ausführliche Beratung des Patienten nicht gut bestellt, wie die Mainzer ZDF-Redaktion der aktuellen WISO-Sendung aufzeigte. In allen drei getesteten Apotheken kam es zu gravierenden Beratungsschwächen.

Den Trend der E-Communication wollen aber auch die Offizinapotheken nicht verschlafen. Bereits seit einem Jahr testet die AOK Rheinland/Hamburg in der Stadt Gorch die Kommunikation von pflegebedürftigen Senioren mit Ärzten und Apothekern über Bildtelefone. Insgesamt nehmen 40 Senioren und 30 Angehörige an dem Projekt teil. Diese können sich dann per Fingertipp an bis zu 11 Kontaktpartner aus verschiedenen Versorgungsbereichen weiterverbinden lassen. Laut AOK wird das Angebot rege in Anspruch genommen. Fraglich ist jedoch ob es im Vergleich zu normalen Telefongesprächen auch zu mehr Kontakten und dementsprechend zu einer besseren Betreuung der Senioren kommt. Dazu machte die AOK jedoch keine Angabe. Sollte das Ergebnis des Projekts positiv ausfallen soll es auf weitere Städte ausgeweitet werden.

Doc Morris wird somit wieder einmal seiner Vorreiterrolle gerecht und zeigt den Offizinapotheken, dass zukünftig mit einer großen Konkurrenz aus dem Internet zu rechnen ist. Denn immer mehr werden die Vorteile, die früher Vor-Ort-Apotheken anboten, auch im Internet ermöglicht. Daher dürfte trotz der zunehmenden Verschärfung um Rezeptboni und sonstigen Zugaben der Umsatz mit Medikamenten im Internet weiter zunehmen. So betreiben mittlerweile schon 15 Prozent der deutschen Apotheken einen Online-Handel. Der Bundesverband deutscher Apotheker geht davon aus, dass es in Deutschland mittlerweile rund 170 große Online-Apotheken gibt, die 16 Mio. deutsche Kunden bedienen.