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In der letzten Zeit mehrten sich Veröffentlichungen und Aussagen politischer Vertreter und verschiedener Marktteilnehmer im Gesundheitswesen, die den medizinischen Fortschritt als den Hauptkostentreiber im Gesundheitswesen ausmachten. Bis zu 50 Prozent des Ausgabenanstiegs seit den 60er Jahren soll durch ihn verursacht worden sein. Doch ungeachtet dessen dürfte die Tatsache unbestritten sein, dass zur Bewältigung der durch eine älter werdende Gesellschaft induzierten Herausforderungen der medizinische Fortschritt unverzichtbar ist.

Auf der jüngsten BVMed-Innovationkonferenz widmeten sich diverse Branchenvertreter den hierbei zu berücksichtigenden Erfolgsfaktoren. Dabei lautete das Fazit, dass eine interdisziplinäre und partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Industrie, Anwender und Forschung ist die Grundvoraussetzung für medizintechnischen Fortschritt sei. Einigkeit herrschte bei den Teilnehmern auch darüber, dass man in der Medizintechnik bei der Etablierung dieser interdisziplinären Partnernetzwerke auf einem guten Weg sei. Verschiedene Projekte, wie bspw. das 2008 gegründete niedersächsische Zentrum für Biomedizintechnik/Implantatforschung verdeutlichten die Umsetzung dieses Kooperationsgedankens. 

Die Notwendigkeit dieser interdisziplinären Forschungs-und Technologiekooperationen liegt dabei auf der Hand, denn eine erfolgreiche Neuentwicklung erfordert die enge Zusammenarbeit vieler Akteure. Einzubinden ist nicht nur das Fachwissen unterschiedlicher Abteilungen im eigenen Unternehmen oder das Know-How wissenschaftlicher Institutionen, sondern auch die Bedürfnisse der Kunden und die Anforderungen der Zulieferer. Im Idealfall finden sich die Grundsätze zur Koordinierung aller Beteiligten im Innovationsmanagement eines Unternehmens.

Im Rahmen der Fachtagung des BVMed wurde jedoch auch deutlich, dass ein Problem bei der Umsetzung von Innovationen abseits der Medizintechnik liegen könnte. Zwar verwies Gesundheitsminister Daniel Bahr diesbezüglich auf die flankierenden Initiativen der Bundesregierung, die zu einem innovationsfreundlichen Deutschland beitragen sollen, doch wird bei einem Vergleich der Innovationsfähigkeit der wichtigen Industrieländer folgendes deutlich: Die staatlich gesetzten Rahmenbedingungen für Forschung und Innovation in Deutschland sind längst nicht ausreichend. Der deutsche Staat bietet im internationalen Vergleich noch zu wenig Unterstützung für die FuE-Aktivitäten –  insbesondere der mittelständischen Unternehmen. Vor besonderen Schwierigkeiten stehen die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) im Rahmen der Innovationsfinanzierung. So erreicht z.B. das zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) nur acht Prozent der 30.000 kontinuierlich forschenden KMU in Deutschland.

Neben der Schaffung von staatlichen Rahmenbedingungen, die es erlauben innovativ zu bleiben, bedarf es der engen Zusammenarbeit mit der Wirtschaft, damit aus einer Invention (Erfindung) auch eine Innovation (die wirtschaftliche Anwendung) wird. Denn in diesem Kontext wird häufig angemerkt, dass in Deutschland Ideen entwickelt werden, die dann von amerikanischen und asiatischen Konzernen vermarktet werden.  Auch für die deutsche Medizintechnik-Branche dürfte diese Schnittstelle, also der Transfer von Forschungsergebnisse aus der Wissenschaft in die Wirtschaft, eine entscheidende Stellgröße darstellen, um weiterhin im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.