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Aufgrund eines Prognos-Gutachtens fordert der Vorstand des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen eine Kürzung der Einnahmen für niedergelassene Ärzte. Die Vergütung könne um 2,2 Milliarden Euro gesenkt werden. Ein Ergebnis des Gutachtens sei es, dass die Einnahmen der Ärzte deutlich mehr gestiegen seien als ihre Kosten.

Die Position der  Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) könnte nicht weiter entfernt sein, sie fordert 3,5 Milliarden Euro mehr. Die Kassen fordern faktisch eine Reduktion um 7 Prozent, die KBV wollen 11 Prozent mehr.

Hintergrund sind die derzeit im Bewertungsausschuss stattfindenden Honorarverhandlungen für das Jahr 2013. Bis zum 31. August muss der neue Orientierungswert für das kommende Jahr festgesetzt werden. Können KBV und Kassen sich nicht einigen, entscheidet der erweiterte Bewertungsausschuss, dem noch drei unabhängige Mitglieder angehören.

Wie immer der Streit auch ausgehen wird, das Verhältnis der beiden Parteien wird auf Dauer tiefgreifend gestört sein. Die Ärzte laufen Sturm gegen diese Ankündigung, haben eine Sonderversammlung der KBV für den 1. September organsiert und schon für November Streiks in Form von Praxisschließungen ankündigt. Die Entscheidung des GKV-Spitzenverbandes, eine Senkung der Arzthonorare zu fordern, wird sich bis in den täglichen Umgang mit Patienten niederschlagen; damit hat sich die GKV keinen Gefallen getan.

Welche Folgen das Thema Honorarkürzung in der Öffentlichkeit hat, muss den Krankenkassen bewusst sein, auch den Schaden, den sie damit anrichten können. Das lässt vermuten, dass dieses Thema auch in anderen Versorgungsbereichen, wie z.B. im Hilfsmittelmarkt, eine Rolle spielen wird. Der Ton vom GKV-Spitzenverband ist in den letzten Monaten rauer geworden, z.B. wird im Krankenhausbereich weiterhin über mengenabhängige Vergütungen bei elektiven Operationen diskutiert.

Trotz voller Kassen werden die Krankenkassen nicht müde, vermeintliche Kostentreiber oder zu hohe Ausgaben anzuprangern. Daher kann für die Entwicklung der Erstattungen im Hilfsmittelbereich keine Entwarnung gegeben werden. Auch hier sind für die Zukunft überwiegend stagnierende oder sinkenden Erstattungen zu erwarten.