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Der Markt für mobile Anwendungen erlebt derzeit einen regelrechten Boom und hat dabei sämtliche Bevölkerungsgruppen erfasst. Nach Berechnungen des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) haben bereits zehn Millionen Deutsche Apps auf ihrem Handy. Der Umsatz in diesem Marktsegment der Telekommunikation betrug 2011 in Deutschland rund 210 Mio. Euro – mit einem beachtlichen Wachstum von 123 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hinzu kommt, dass die Perspektive für den noch relativ  jungen Markt sehr gut ist, denn auch die Anzahl der kompatiblen Geräte wächst: Während 2010 noch 7,4 Millionen Smartphones in Deutschland verkauft wurden, waren es im vergangenen Jahr schon 11,8 Millionen.

Mit Blick auf die Zahlen verwundert es nicht, dass zunehmend Apps mit medizinischem Hintergrund auf den Markt drängen. Schätzungen von BITKOM zufolge stehen in Online-Stores etwa 15.000 Gesundheits-Apps zur Verfügung – drei Mal so viel wie noch in 2010.

Dieses Potential haben bereits etliche Anbieter von Gesundheitsprodukten und Services erkannt. Hierbei werden mobile Anwendungen vor allem bei der Bekämpfung von Volkskrankheiten wie Diabetes, Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Herzkrankheiten, Asthma oder chronischer Bronchitis eingesetzt. Das Prinzip dahinter ist einfach:  Spezielle mobile, medizinische Geräte erfassen die relevanten Gesundheitsdaten eines Patienten und leiten sie an das Handy weiter. Das Handy wertet die Daten mit einer App aus und überträgt sie im Bedarfsfall an Arzt, Klinik oder Gesundheitszentrum. So können bspw. Diabetiker ihre Blutzuckerwerte vom Messgerät via Bluetooth in ein vom Arzt einsehbares Online-Tagebuch einstellen.

Ferner lassen sich mit Hilfe von Apps auch Seh- und Hörtests durchführen oder die Durchführung von Diäten durch die Eingabe von Gewichtsdaten unterstützen. In Kliniken werden Tablet-Computer und Apps bei Visiten genutzt und ermöglichen das Einsehen und Aktualisieren von elektronischen Patientenakten. Weitere Programme erlauben die mobile Auswertung von CT- und MRT-Daten im Krankenhaus. Auch eine wachsende Anzahl von Krankenkassen nutzt Apps und unterstützt ihre Mitglieder etwa bei der Gesundheitsprävention.

Handys werden in den kommenden Jahren eine herausragende Bedeutung für die medizinische Versorgung gewinnen, so jedenfalls der Tenor vieler Studien. Hierbei wird erwartet, dass sich mobile Gesundheitslösungen in den kommenden fünf Jahren durchsetzen werden. Zwei Drittel in einer Studie befragten Gesundheitsunternehmen sind der Ansicht, dass im Jahr 2015 die Mehrheit der Ärzte, Krankenschwestern und des medizinischen Personals in Industrieländern Gesundheits-Apps verwenden wird. Die treibenden Kräfte hinter dieser Entwicklung seien die zunehmende Verbreitung von Smartphones sowie die starke Nachfrage von Patienten.

Bei allem Optimismus steht der Markt für mobile Anwendungen im Gesundheitssystem jedoch auch vor vielen großen Herausforderungen: So gibt es derzeit noch keine unabhängige Instanz zur Beurteilung von einheitlichen Qualitätsstandards, welche für mehr Vertrauen bei den Patienten sorgen könnte. An dieser Stelle könnten Regulierungen – wie sie in den USA die FDA forciert – Innovationsimpulse dämpfen. Dennoch kann das Thema mobile Anwendungen für Verantwortlichen im Gesundheitswesen eine Überlegung wert sein, mit welchen Gesundheits-Apps man einen Nutzen für seine Zielgruppen schaffen kann.