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Viele Kliniken in Europa haben wirtschaftliche Probleme. Vor allem der südeuropäische Krankenhausmarkt kriselt. In Deutschland ist die finanzielle Situation offenbar im Europa-Vergleich deutlich weniger kritisch. Dies ist das Ergebnis der Studie „European Hospital Rating Report“ von Accenture in Zusammenarbeit mit dem Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI).

Zu den Fakten: Fast die Hälfte (46 Prozent) der europäischen Krankenhäuser ist in einer wirtschaftlichen Schieflage und nahezu jedes fünfte hat ein stark erhöhtes Insolvenzrisiko. Ferner haben der Studie zufolge 33 Prozent der europäischen Klinken 2011 rote Zahlen geschrieben. Für die Ergebnisse wurden im Jahr 2011 1.500 Jahresabschlüsse von Krankenhäusern in neun europäischen Ländern (Marktabdeckung: 30 Prozent) analysiert. Betrachtet wurde die wirtschaftliche Situation der Krankenhäuser aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Norwegen, Österreich, Portugal, Spanien und der Schweiz.

Ein zentrales Ergebnis des Reports ist die Streuung über den europäischen Kontinent: Während in Portugal fast 60 Prozent der Krankenhäuser finanziell angeschlagen sind, weist der Report in Deutschland und der Schweiz bis zu 80 Prozent gesunde Krankenhäuser aus. Neben Portugal steht auch Frankreich mit ihrem Krankenhauswesen insgesamt im insolvenzgefährdeten Bereich. Nur in Deutschland, der Schweiz und Belgien befindet sich die große Mehrheit der Krankenhäuser im wirtschaftlich gesunden Spektrum.

Als Begründung führt die Studie strukturbedingte Unterschiede an. Besonders die Schuldenkrise und die  nachlassende Konjunktur in Europa habe die Situation vor dem Hintergrund rückläufiger staatlicher Fördermittel verschärft. Wer erfolgreich sein möchte, müsse sich spezialisieren, Verbundaktivitäten anstreben oder schlicht qualitativ besser sein.

Das positive Abschneiden Deutschlands mag verwundern. lässt sich aber den Studienautoren mit einem unterschiedlichen Klassifikationsmodell (etwa hinsichtlich der Profitabilität, bei der nun Mittel aus dem Krankenhausfinanzierungsgesetz als Eigenkapital gewertet wurden) begründen, das zu Zwecken der internationalen Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu Grunde gelegt wurde.

Die im europäischen Vergleich hervorragende deutsche Situation des Krankenhausmarktes relativierte Studienautor Sebastian Kolo zugleich und wies auf die zunehmende Kluft zwischen finanziell erfolgreichen und finanziell schlecht aufgestellten Kliniken hin. Demzufolge habe sich die Profitabilität (im deutschen Durchschnitt bei 8,5%; höchste Profitabilität: Italien mit 12,1%) der wirtschaftlich erfolgreichsten Kliniken zwischen 2008 und 2011 kontinuierlich verbessert und die der unwirtschaftlichsten kontinuierlich verschlechtert. Fakt ist, dass in Deutschland die Anzahl Kliniken seit dem Jahr 2000 um durchschnittlich rund 1 Prozent von 2.242 auf 2.017 gesunken. Aufgrund der finanziell angespannten Lage, vor allem vieler kommunaler Häuser, werden weitere Einrichtungen schließen oder unter das rettende Dach eines Verbundes schlüpfen müssen.

Für die führenden Anbieter von Krankenhausbetten, wie etwa Arno Huntleigh, Hill-Rom, Linet Group, Stiegelmeyer oder Völker Betten, dürfte es spannend zu beobachten sein, wie sich vor dem Hintergrund einer angespannten europäischen Krankenhausmarkts das künftige Absatzpotenzial an Krankenhausbetten verändern wird. In Deutschland, das mit rund mit 82 Betten pro 10.000 Einwohner die höchste Bettendichte in Europa besitzt, ist die Bettenzahl seit der Jahrtausendwende jedenfalls um 60.000 auf rund 500.000 gesunken. Insbesondere Frankreich, das mit 64 Betten pro 10.000 Einwohner ebenfalls eine hohe Dichte aufweist, könnte infolge einiger Schließungen auch Einschnitte für die Hersteller nach sich ziehen.