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Aus dem aktuell veröffentlichten Präventionsbericht 2013 der Kassen und den Medizinischen Diensten geht hervor, dass die Kassen rund 32 Mio. Euro weniger für Prävention ausgegeben haben als im Vorjahr. Insgesamt wurden im Jahr 2012 238 Mio. Euro für präventive Maßnahmen von Mitgliedern, bei Arbeitgebern, Kindergärten, Schulen und Gemeinden ausgegeben. Seit Jahren sinkt damit der Beitrag der Kassen zu präventiven Maßnahmen. Vor fünf Jahren lagen die Ausgaben noch bei 340 Mio. Euro und nahmen daraufhin kontinuierlich ab. Aktuell geben die Kassen somit 3,41 Euro je Versicherten für präventive Maßnahmen aus. Damit liegen die Kassen zwar über dem Richtwert von 2,94 Euro pro Versichterten aber weit unterhalb dem Wert, den die Union und die SPD für 2015 vorsehen. Bis zu sieben Euro sollen dann pro Person und Jahr für präventive Maßnahmen ausgegeben werden. Den vollständigen Präventionsbericht 2013 können Sie hier herunterladen.

Die Kassen rechtfertigen sich damit, dass sie nun gezielter in Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung und in Settingansätze investieren würden. So seien in 2012 1,3 Mio. Arbeitnehmer mit BGM-Maßnahmen erreicht worden – 20 Prozent mehr als im Vorjahr – und dabei die Ausgaben um 4 Mio. Euro auf insgesamt 46 Mio. Euro gestiegen. Darüber hinaus wurden für Projekte in Kindertagesstätten, Schulen und bestimmten Wohngebieten 28 Mio. Euro ausgegeben, 21 Prozent mehr als im Vorjahr. Wohingegen für Kurse für einzelne Versicherte für mehr Bewegung, gegen Stress oder zur Rauchentwöhnung rund 164 Mio. Euro ausgegeben wurden. Dies entspricht einem Rückgang von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dabei wurden mit diesen Individualmaßnahmen insgesamt 1,3 Mio. Versicherte erreicht.

Insgesamt konnten durch die diversen Fördermaßnahmen 4,8 Mio. Menschen direkt erreicht werden. Wobei durch Kursangebote besonders Frauen angesprochen werden. Hier beträgt der Frauenanteil etwa 75 Prozent. Männer werden besonders gut durch die betrieblichen Gesundheitsförderungsmaßnahmen erreicht. Hier beträgt der Anteil etwa 66 Prozent. Bei den sog. Settingansätzen z.B. in Kindergärten, Schulen und Gemeinden ist das Verhältnis ausgeglichen.

Wie bereits von uns im August berichtet versuchen die Kassen an jeder nur erdenklichen Stelle zu sparen, um nicht als erstes Zusatzbeiträge in schlechteren Zeiten erheben zu müssen. Dies führt dazu, dass auch an den präventiven Maßnahmen gespart wird. Schon länger bemängeln Experten, dass die Präventionsanstrengungen der Kassen viel zu niedrig seien. Aktuell würden neben Präventionskursen auch für ärztliche Präventionstätigkeiten viel zu wenig gezahlt. Aktuell geben die Kassen rund zwei Prozent ihrer Ausgaben für präventive Maßnahmen aus. So fordert Professor Stefan Willich von der deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention, dass der Ausgabenanteil für präventive Maßnahmen auf 15 Prozent steigen soll. Dies würde fast dem Ausgabenanteil entsprechen, der aktuell allein für die ärztliche Behandlung ausgegeben wird. Zudem seien die bisherigen Konzepte nicht zielführend. Besonders für Präventionsangebote für benachteiligte Bevölkerungsgruppen, welche signifikant häufiger von Gesundheitsproblemen betroffen sind, soll mehr Geld ausgegeben werden.

Zumindest hier scheinen die Kassen den Experten zu folgen, wie aus den gestiegenen Ausgaben für Settingansätze zu entnehmen ist. Hier hoffen die Experten sowie die Kassen auf Multiplikatoreffekte. Denn durch die Aufklärung der Kinder in Kindergärten und Schulen würde man auch die Eltern erreichen. Die Kassen fordern jedoch, die Aufgabe der Prävention nicht mehr nur bei den Kassen anzusiedeln, denn Prävention sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe deren finanzielle Kosten auf mehrere Schultern verteilt werden müsse. Obwohl Prävention langfristig zu Einsparungen führen wird, haben die Kassen im Wettbewerb kein Interesse an groß angelegten Kampagnen. Umfassende Präventionsarbeit habe einen zu großen Streueffekt und würde daher auch vielen Versicherten der Konkurrenz zugutekommen, so Hans-Werner Pfeiffer vom Europäischen Verband der Sozialversicherungsärzte.