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Am 20. Juni 2013 veröffentlichte das Bundesministerium für Gesundheit die aktuellen Finanzergebnisse für das erste Quartal 2013. Allein in den ersten 3 Monaten dieses Jahres erwirtschafteten die gesetzlichen Krankenkassen einen Überschuss in Höhe von 850 Mio. Euro. Dabei betrugen die Gesamtausgaben 48 Mrd. Euro und folglich die Gesamteinnahmen 48,9 Mrd. Euro. Im ersten Quartal 2012 hatten die Gesamtausgaben noch ein Volumen in Höhe von 46 Mrd. Euro. Die Gesamtausgaben wuchsen somit um durchschnittlich 3,7 Prozent pro Auftaktquartal.

Im Bereich der Hilfsmittel wurden im ersten Quartal 2013 insgesamt 1,67 Mrd. Euro durch die gesetzlichen Kassen erstattet. Dies sind rund 90 Mio. Euro (+5.3%) mehr als im Vorjahresquartal (1,59 Mrd. Euro). Dabei stagnierte der Anteil der Hilfsmittel an den Gesamtausgaben, wie seit Jahren unverändert, bei 3 Prozent. Das jährliche Wachstum der Hilfsmittelausgaben lag bei rund 4,6 Prozent pro Jahr und übersteigt somit das Wachstum des Gesamtmarktes (Abbildung: Veränderungsrate je Versichertem im Vergleich zum Vorjahresquartal), sodass zukünftig der Anteil der Hilfsmittel am Gesamtmarkt weiter steigen wird.

Veränderungsrate je Versichertem im Vergleich zum Vorjahresquartal

Aufgrund dieser ersten Zahlen dürfte das Gesamterstattungvolumen 2013 im Hilfsmittelbereich bei über 6,7 Mrd. Euro liegen und folgt dementsprechend den in den letzten Jahren zu erkennenden Trend. So stiegen seit 2005 die GKV-Ausgaben für Hilfsmittel kontinuierlich im Durchschnitt um 185 Mio. Euro im Jahr. Innerhalb von 8 Jahren sind die Hilfsmittelausgaben somit um 1,5 Mrd. Euro angewachsen (Abbildung: Ausgaben für Hilfsmittel der gesetzlichen Krankenversicherung).

Ausgaben für Hilfsmittel der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in den Jahren 2004 bis 2012 (in Milliarden Euro)

Während die Hilfsmittelhersteller den überdurchschnittliche Ausgabenzuwachs positiv aufnehmen, sehen dies das Bundesgesundheitsministerium und die Krankenkassen naturgemäß anders und äußern dies vermehrt durch Ausschreibungen und knapp kalkulierten Vertragsabsichten. Deutet dies nun daraufhin, dass die Kosten für Hilfsmittel aus dem Ruder laufen? Vielmehr wird dies als eine nötige Korrektur gesehen um das ursprüngliche Gleichgewicht der Sektoren wiederherzustellen. Denn vor 2011 stiegen die Ausgaben für Hilfsmittel weniger stark als die Gesamtausgaben.

In Zukunft wird sich jedoch die aufgezeigte Entwicklung nicht verhindern lassen, da allein durch die Tatsache, dass die Zahl alter Menschen wächst, die Ursache für den Kostenanstieg weniger in der Branche, sondern vielmehr in der demografischen Entwicklung verankert ist. So benötigen mehr ältere Menschen zwangläufig mehr Hilfsmittel, was mehr kostet. Lebten im Jahr 2000 noch 19,4 Millionen Menschen im Alter von über 60 Jahren in Deutschland, so waren es 10 Jahre später bereits 21,5 Millionen. Auch die Zahlen in den Risikogruppen, die wahrscheinlich mit medizinischen Hilfsmitteln behandelt werden müssen, wachsen konstant, wie z.B. Diabetes mellitus mit einem erwarteten Anstieg der Fallzahlen von 45 Prozent bis 2050.

Der politische Anspruch „ambulant vor stationär“ führt darüber hinaus zwangsläufig zu höheren Hilfsmittelausgaben. Wer früher entlassen wird, ist Zuhause entweder auf Hilfsmittel angewiesen, die er im Krankenhaus nicht benötigt hätte, beispielsweise Applikations- oder Mobilitätshilfen. Oder er erhält dieselben Hilfsmittel Zuhause, die ihm auch in der Klinik zugestanden hätten. Diese werden dann allerdings nicht über die Fallpauschalen der  Kliniken abgerechnet und tauchen damit in der Hilfsmittelstatistik als vermeintlich höhere Kosten auf.