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Der amerikanische Internetkonzern Google aus Mountain View investiert jetzt (wieder) in die Gesundheitsbranche. Dazu gründete Google eigens ein Unternehmen mit dem Namen „Calico“. Ziel der Unternehmung sei es sich mit Gesundheitsfragen zu beschäftigen, besonders mit dem Älterwerden und den damit verbundenen Krankheiten. Durch die Verarbeitung von Daten zu typischen Alterskrankheiten sollen langfristig die Auswirkungen des Alters abgemildert werden. Konkretere Angaben machte Google nicht zu diesem Vorhaben, man sehe jedoch „enormes Potenzial“ in diesem Teil der Branche. Das Ruder des neu gegründeten Unternehmens soll Arthur Levison übernehmen, der zugleich auch Investor ist. Dieser hatte zuvor Genentech zum Vorzeigeunternehmen der Biotechnologiebranche aufgezogen. Im heutigen Roche-Konzern ist Genentech eine wichtige Säule für Krebsmedikamente.

Für Google sind es nicht die ersten Gehversuche in der Gesundheitsbranche. Bereits jetzt ist der Konzern an dem Biotechnik-Unternehmen 23andMe beteiligt. Es ermöglicht Privatpersonen gegen Entgelt ihre Erbinformationen auf genetisch bedingte Krankheiten untersuchen zu lassen. Auch davor hatte Google bereits versucht im eHealth-Bereich durch eine elektronische Patientenakte aktiv zu werden. Aufgrund von Datenschutzbedenken und mangelnder Akzeptanz wurde das Vorhaben jedoch nach fünf Jahren zum Jahresbeginn 2012 eingestellt.

Investitionen in eHealth-Unternehmen, -Dienstleistungen und -Produkte scheinen international eine lohnenswerte Investition zu sein, in Deutschland stieg bspw. im Mai der Investor ECM in die Medifox Gruppe aus Hildesheim ein, dem bundesweiten Marktführer für Softwarelösungen für ambulante Pflegedienste. Für einige scheint diese Entwicklung jedoch nicht schnell genug zu gegen. Laut Dr. med. Markus Müschenich liegt Deutschland deutlich hinter den USA, wenn es um eHealth geht. Dort bestünde eine gute Chance, dass eHealth ein Teil der Regelversorgung wird. Dies würde Unternehmen Planungssicherheit bezüglich Umsatz und Gewinn bieten und somit die Anreize stärken, sich in diesem Markt zu engagieren. In dem Interview im Juni diesen Jahres sprach er auch bereits davon, dass große IT-Konzerne wie Facebook und Google ihre Infrastruktur nutzen werden, um im eHealth-Markt Fuß zu fassen. Er glaubt: „Wenn Politik und Selbstverwaltung in Deutschland das Thema nicht schneller voranbringen, dann verlieren wir nicht nur Patienten an schwer kalkulierbare Anbieter. Dann verliert auch der Medizintechnikstandort Deutschland nachhaltig an Reputation.“

Auch die Forderung des letztjährigen IT-Gipfels an die Bundesregierung sieht vor, Telemedizinprodukte schneller in den Markt zu bringen. Erfolgreiche Produkte wie die der Medifox Gruppe sind jedoch in Deutschland nicht so stark vertreten wie gewünscht. Oftmals werden innovative Lösungen nicht breitflächig und dauerhaft umgesetzt. Viele Ansätze werden als F&E-Projekte gestartet und öffentlich gefördert, bewähren sich in Pilotprojekten, werden aber dann nicht als dauerhafte Lösung implementiert. Oftmals scheitern diese Projekte dann an der Zulassung, der Regulierung oder der Erstattung durch die Kassen. So wurde eine EBM-Pauschale für die ambulante Telemedizin bspw. in diesem Jahr abgelehnt und dürfte auch länger nicht mehr Thema sein.

Der europäische Markt für eHealth und Telemedizinprodukte zeichnet sich durch eine Marktgröße von 24,6 Mrd. Euro und ein Wachstum von jährlich 11 Prozent aus. Fraglich ist jedoch, ob dies ausreicht um den Vorsprung der internationalen Konkurrenz wieder aufzuholen. Im stationären Bereich ist die Telemedizin bereits stark vertreten, wobei im ambulanten Sektor noch Nachholbedarf herrscht. Mit der elektronischen Gesundheitskarte hat der Gesetzgeber bereits eine gute Basis für die Telemedizin in ambulanten Bereich geschaffen. Nun gilt es diese Basis weiter auszubauen, um international wieder aufholen zu können.