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Amerikanische Forscher prognostizieren für das Jahr 2050, dass sich die Zahl der Alzheimer-Erkrankten in den USA verdreifachen wird. Die Zahl der Erkrankten werde einem im Fachjournal Neurology veröffentlichten Bericht zufolge von 4,7 Millionen im Jahr 2010 auf dann 13,8 Millionen Menschen steigen. Etwa sieben Millionen der Betroffenen würden dann mindestens 85 Jahre alt sein.

Die Studienergebnisse des Rush University Medical Center in Chicago decken sich mit den Vorhersagen von Experten für Deutschland: Auch in Deutschland wird ein starker Anstieg der Patientenzahlen erwartet. Nach jüngsten Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) wird sich die Zahl der Demenzkranken bis 2050 mehr als verdoppeln – von derzeit 1,4 Millionen auf rund drei Millionen Betroffene. Etwa zwei Drittel von ihnen werden demnach unter Alzheimer – der häufigsten Form von Demenz –  leiden.

Die Begründung ist eindeutig. Alzheimer tritt vermehr im Alter auf und die Zahl der älteren Menschen nimmt bekanntlich zu. Und mit dieser Entwicklung wächst der DAlzG zufolge auch die Zahl der Demenzkranken – sofern kein Durchbruch in der Therapie gelingt. Bislang ist Alzheimer unheilbar. Auch die Arzneimittelhersteller kommen im bereits seit Jahrzehnten dauernden Wettrennen um einen der letzten möglichen Blockbuster – ein Medikament gegen Alzheimer –  nur schrittweise voran. Einer der letzten Erfolge stammt vom US-Konzern Eli Lilly. Allerdings dürfte es noch Jahre dauern bis hier der Durchbruch für die weltweit 36 Millionen Betroffen gelingt.

Infolge der steigenden Verbreitung von Demenz benötigen immer mehr Menschen Betreuung, denn über neunzig Prozent der Betroffenen ist pflegebedürftig. Ein Umstand, der sich infolge der sich verändernden Familienstrukturen (Single-Haushalte, Kleinfamilien) noch zuspitzen wird.

Wenn sich die Prognosen der Experten bewahrheiten, werden im Jahr 2050 fast vier Prozent der Deutschen demenzkrank sein. Das stellt eine immense Herausforderung für die Sozialsysteme dar. Es ist daher nachvollziehbar, dass die aktuelle Pflegereform vor allem dafür sorgen soll, die Versorgung von Demenzpatienten zu verbessern und diese künftig auf mehr Geld von den Pflegekassen hoffen dürfen. 

So sind ab diesem Jahr Leistungsverbesserungen vor allem für die Pflege von Demenzkranken und für pflegende Angehörige vorgesehen. Gemäß der Reform sollen Menschen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz, die zu Hause leben, weitere Leistungen in den Pflegestufen 0 bis 2 erhalten. Experten bemängeln jedoch vor allem, dass sich an der Definition der Pflegebedürftigkeit wenig geändert hat. Zu einem umfassenden neuen Bewertungssystem, das körperliche und geistige Einschränkungen erfasst, konnte sich die Koalition nicht durchringen. Kassen dürften damit auch weiterhin bei der Beurteilung der Pflegebedürftigkeit vorrangig danach gehen, wie stark die körperlichen Einschränkungen eines Patienten sind.