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Reha vor Pflege – diese Devise hat sich so ähnlich auch der Klinikkonzern Helios auf die Fahnen geschrieben. Wie nun bekannt wurde, gründet der Betreiber von 111 Akut- und Rehabilitationskliniken in Deutschland nun seine eigene Reha-Sparte. Dafür werden die bestehenden Rehakliniken inklusive der damit verbundenen Tourismusbereiche in eine eigene Sparte ausgegliedert. Startschuss ist der 1. Mai.

Unter „Helios Reha“ laufen damit künftig 21 Rehakliniken, aufgeteilt in drei Regionen. Der bisherige Regionalgeschäftsführer der Helios-Region Nord-West, Dr. Dr. Jan Leister, wird die Geschäfte leiten und dabei vom ärztlichen Leiter Prof. Matthias Köhler unterstützt. Die Verantwortung für den Reha-Bereich in der Helios-Geschäftsführung wird weiterhin bei Olaf Jedersberger liegen.

CDU: Reha wird zu selten genehmigt

„Wir haben mit dieser Spartenlösung in den vergangenen Monaten sehr gute Erfahrungen gemacht“, fasst Jedersberger zusammen. „Die Bündelung der Rehakliniken unter einem Dach hat es uns ermöglicht, Entscheidungen schneller und nachhaltiger umzusetzen sowie die medizinische Weiterentwicklung der Häuser fokussierter anzugehen.“ Aus diesem Grund werden wohl auch elf Akutkliniken der beiden Helios-Regionen im Norden Deutschlands zusammengefasst. Deren Geschäftsführung soll Franzel Simon übernehmen, der derzeit Regionalgeschäftsführer für die Region Nord-Ost ist.

Das Unternehmen trägt mit dem Schritt der Tatsache Rechnung, dass Reha angesichts des demografischen Wandels weiter an Bedeutung gewinnen wird. Experten schätzen, dass viele Pflegefälle durch eine Rehabilitationsmaßnahmen vermieden werden könnten. Insbesondere nach Schlaganfällen oder Stürzen könnten Patienten durch eine Reha öfter ein eigenständiges Leben führen oder es könne ein höherer Pflegegrad hinausgezögert werden. In der Realität werde die „Reha vor Pflege“ – Devise allerdings nicht häufig genug umgesetzt, beklagen CDU-Politiker. Der Vorwurf: Die Krankenkassen würden aus finanziellen Gründen zu selten eine Reha genehmigen. Und sobald ein Patient zum Pflegefall wird, ist schließlich die Pflegeversicherung zuständig. Die CDU plant, das Angebot an Reha-Maßnahmen für pflegebedürftige Menschen zu erweitern und so deren Versorgung zu verbessern. Dies soll in das Wahlprogramm für die Bundestagswahl 2017 aufgenommen werden.

Teure Reha, die sich lohnt 

Eine Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) im Auftrag der  Deutschen Rentenversicherung (DRV) zeigt, dass Reha zwar erst einmal teuer ist, sich diese Kosten aber sowohl für den Patienten als auch Kostenträger auszahlt. So steigen dadurch beispielsweise die Chancen, nach Unfall, Krankheit oder bei Vorliegen einer Behinderung eine Erwerbstätigkeit neu aufzunehmen oder ins Berufsleben zurückzukehren. Dabei spiele es keine Rolle, ob die Rehabilitation ambulant oder stationär erfolgt. Die DRV schließt daraus: „In geeigneten Fällen gilt es also auch künftig, ambulante Rehabilitationsmaßnahmen anzubieten.“ 2013 gab die DRW rund 1,2 Mrd. Euro für Reha aus. 2015 waren es laut Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bereits 2,2 Mrd. Euro. Diese Kosten erscheinen angesichts der Studienergebnisse sinnvoll investiert.

Gleichzeitig zeigen Daten des Statistischen Bundesamts (Destatis), dass entgegen dem positiven Beschäftigungstrend im Gesundheitswesen das Personal in Rehabilitationseinrichtungen zwischen 2013 und 2014 um 0,5 Prozent gesunken ist. Die Anbieter von Reha-Leistungen befinden sich derzeit in einem Spannungsfeld zwischen geringen finanziellen und personellen Ressourcen auf der einen und dem Anspruch auf hochwertige Versorgung auf der anderen Seite. Folge ist die fortschreitende Konsolidierung des Markts. Zusammenschlüsse und Spartenbildungen wie bei Helios werden daher in Zukunft deutlich häufiger vorkommen.