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Im Rahmen des Diabetes-Gipfels in Brüssel wurde erneut deutlich, dass Deutschland in Sachen nationaler Diabetes-Strategie dem europäischen Ausland deutlich hinterherläuft. Ernüchternd ist die Feststellung, dass Deutschland noch keinen nationalen Diabetesplan hat, obwohl 18 von 28 europäischen Ländern diesen bereits umgesetzt hat. Diesen Missstand haben Fachgesellschaften schon in der Vergangenheit angesprochen und plädieren bereits seit Jahren für eine bundesweit einheitliche Diabetes-Bekämpfung.

Auf dem 2. European Diabetes Leadership Forum diskutierten internationale Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Verbänden die Notwendigkeit der Etablierung Nationaler Diabetespläne zur Bekämpfung von Diabetes. Weitere Themen des mit 250 Teilnehmern gut besuchten Diskussionsforums waren etwa der notwendige Wandel in der Diabetesversorgung, die Verhütung von Folgekrankheiten und eine bessere Patientencompliance.  Aus Deutschland war eine Delegation bestehend aus  17 Teilnehmern – hierunter u.a. Prof. Dr. med. Thomas Danne sowie Vertreter der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und des Bundesverbandes der Niedergelassenen Diabetologen (BVND).

Tonio Borg, EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz, zeigte sich besorgt, dass es in Deutschland noch keinen Nationalen Diabetesplan gibt. Zudem wurde kritisiert, dass kein deutscher Politiker der Einladung nach Brüssel gefolgt war.

Bereits vor einem Jahr hatte die Deutsche Diabetes Hilfe vor dem Hintergrund der sich verschlechternden Versorgung von Diabetes-Patienten eine Kampagne gestartet, die die Einführung einer nationalen Strategie forcieren sollte. Seitdem hat sich von politischer Seite nicht viel bewegt. Auch die neue Regierung hat in ihrem Koalitionsvertrag das Thema einer Diabetes-Strategie für Deutschland nicht berücksichtigt.

Dabei ist die Zielsetzung bereits klar umrissen: Ein Nationaler Diabetesplan soll eine bessere Prävention und Versorgung bei gleichzeitiger Effizienz der Mittelverwendung sicherstellen. Die wichtigsten Handlungsfelder umschreibt ein bereits existierendes Basis-Papier der Fachgesellschaften: Primäre Prävention des Diabetes, Früherkennung und Sekundärprävention des Typ-2-Diabetes, Epidemiologie, Aufbau eines nationalen Diabetesregisters, Versorgungsforschung, Versorgungsstrukturen und Qualitätssicherung und Patienteninformation, – schulung, – empowerment.  Dabei sollen die wichtigsten Organisationen, Institutionen und Patientenverbände eingebunden werden, die für die Prävention, Versorgung und Forschung bei Diabetes in Deutschland verantwortlich sind. Erfolgreiche Modelle gibt es bereits beim Nationalen Krebsplan oder der Aktionsplan „InForm“ gegen Übergewicht.

Wie brisant das Thema ist verdeutlichen die Zahlen: Derzeit leben in Deutschland mehr als sechs Millionen Menschen mit Diabetes; jedes Jahr kommen etwa 300 000 Betroffene hinzu. Prozentual ist die Zahl der Diabetiker zwischen 1988 und 2012 um 38 Punkte gestiegen – vor allem bedingt durch die Alterung der Bevölkerung und einen veränderten Lebensstil. Zur Diabetes-Statistik gehören zudem 40 000 Amputationen, 2 000 Erblindungen und circa 2 300 Niereninsuffizienzen mit Dialysepflicht pro Jahr.