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Kann mehr Kassenwettbewerb die Versorgungsqualität verbessern? Karl-Josef Laumann, Patientenbeauftragter der Bundesregierung (CDU), glaubt fest daran. Der Wettbewerb darf sich allerdings nicht nur um die Höhe der Zusatzbeiträge drehen. das stellte Laumann auf dem Gesprächskreis Gesundheit des Branchenverbands BVMed am 16. März klar. Besonderen Fokus legte er dabei auf den Hilfmittelsektor und scheute sich nicht, unbequem zu werden. Für die Versicherten ist das ein Glücksfall.

Der Preis ist nicht alles

Auslöser dafür sind die vieldiskutierten Probleme mit Ausschreibungen für aufsaugende Inkontinenzhilfsmittel. Das Hauptproblem sind nach Aussagen von Laumann Krankenkassen, die nach dem niedrigsten Preis entscheiden sowie Versorger, die einen sehr niedrigen Preis anbieten und auf Patientenzuzahlungen setzen. Dass die Kriterien für Produkte im Hilfsmittelzeichnis alles andere als auf neuestem Stand sind, kommt noch erschwerend hinzu. Doch dieser Aspekt dürfte sich in naher Zukunft verbessern:  Zuletzt gab der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bekannt, die Qualitätsanforderungen für die Inko-Versorgung angehoben zu haben.

Das Einlenken kommt Laumann indes auch etwas spät: Im Rahmen des Gesprächskreises äußerte er Zweifel daran, ob die Gründung des GKV-Spitzenverbands vor knapp zehn Jahren der richtige Weg war: „Ich persönlich glaube auch nicht, dass der Spibu die beste Entscheidung war.“ Der Verband habe erst mit einer Überarbeitung der Qualitätsanforderungen reagiert, als Laumann von Kassenleistungen abgedeckte Inkontinenzprodukte testen lassen wollte. Lauman gab an, er könne sich vorstellen, dass derartige Richtlinien auch im Bundesgesundheitsministerium gemacht werden könnten.

Dabei handelt es sich in der Tat um einen wichtigen, sinnvollen und mehr als überfälligen Schritt. Doch allein wird er nicht ausreichen, um die Versorgungsqualität zu heben. Laumann fordert mehr Transparenz bei Zuzahlungen und nicht nur beim Zusatzbeitrag, um Patienten die Kassenwahl auch abseits von Kostengründen zu ermöglichen. Dies sei aktuell nicht der Fall: „Beispielsweise wissen wir nicht, bei welcher Krankenkasse wie viele Patienten bei welcher Hilfsmittelversorgung zuzahlen müssen“, so Laumann.

Versorgungsrealität im Blick

Dieser Transparenzwettbewerb dürfte kaum im Sinne der Krankenkassen sein. Zwar dürfen die Kassen deinen Versicherten ablehnen, dennoch besteht ein finanzielles Interesse an gesunden Mitgliedern. Ob und wie eine derartige „Transparenzoffensive“ durchgeführt wird, bleibt daher zum derzeitigen Zeitpunkt noch Spekulation. Laumann ist sich dessen vermutlich bewusst, wohl auch aus diesem Grund kann er noch weitere Vorschläge für eine bessere Hilfsmittelversorgung vorweisen. Diese orientieren sich an der tatsächlichen Versorgungsrealität der Patienten, so sollen beispielsweise Pflegekräfte mehr Entscheidungskompetenzen erhalten und bestimmte Hilfsmittel selbständig verordnen dürfen. Dies könne zusätzlich auch das Berufsbild attraktiver machen, so die Hoffnung.

Pflegekräfte sind nicht nur Hilfskräfte der Ärzte, sondern selbst wichtige Akteure im Gesundheitssystem, so beschreibt Laumann die Lage. Mehr Entscheidungskompetenzen würden dies auch in der öffentlichen Diskussion verdeutlichen. Zudem wissen Pflegekräfte durch ihre Arbeit nah am Patienten oft am besten, wo Optimierungspotenzial umsetzbar ist. Zudem wäre die Hilfsmittelverordnung durch Pflegekräfte schneller und unbürokratischer.

Mit Karl-Josef Laumann haben gesetzlich Versicherte, die auf Hilfsmittel angewiesen sind, einen entschlossenen Verbündeten auf ihrer Seite. Er setzt mit seinen Forderungen dort an, wo es Kassen und Versorgern weh tut, nämlich am Preis und der Transparenz. Auch mit dem Seitenhieb gegen den GKV-Spitzenverband wird er sich dort kaum Freunde gemacht haben. Es ist unwahrscheinlich, dass er aufgeben wird, bevor weitere Resultate folgen. Aussitzen ist nicht Laumanns Stil. Zum Glück.