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Der Bereich M&A in der Gesundheitswirtschaft gilt unter allen M&A-Märkten weltweit als der drittstärkste, höhere Transaktionsvolumina haben nur der Immobilienmarkt und die Computer- und Elektronikbranche zu verzeichnen. Eine besondere Bedeutung kommt dabei der Pharmabranche zu, die sich seit April bei einem weltweiten Volumen von 33 Mrd. Dollar auf einem Hoch bewegt.

Während in der Vergangenheit im Zuge der Big-Pharma-Strategie diese Teilbranche der Gesundheitswirtschaft durch große Fusionen aufgefallen ist, erleben wir derzeit eine große Anzahl an Transaktionen im einstelligen Milliarden-Bereich. Die M&A-Welle der Mega-Fusionen scheint also inzwischen abgeebbt. Waren in 2011 die zwei größten M&A-Geschäfte noch zweistellige Milliardendeals, bei denen die beiden Schweizer Medizintechnikunternehmen Synthes (für 21,3 Mrd. Dollar von Johnson & Johnson) und Nycomed (für 13,7 Mrd. Dollar von Takeda) gekauft wurden, zwingen aktuell auslaufende Patente und sinkende Renditen viele Marktteilnehmer zum Handeln. Aus diesem Grund geraten zurzeit viele Pharmaunternehmen unter Druck und entscheiden sich dazu, über M&A-Aktivitäten Wachstum zu generieren.

Einige prominente Transaktionen dieser Periode waren der Kauf von Ardea durch Astrazeneca für 1,3 Mrd. Dollar, in dessen Zuge der britisch-schwedische Pharmakonzern sich einen in der experimentellen Phase befindlichen Wirkstoff gegen Gicht sicherte. Weitere bedeutende Transaktionen waren:

Auch bei einzelnen Geschäftsbereichen boomt der Verkauf: Pfizer verkaufte seine Nutrition-Sparte an Nestlé für 12 Mrd. Dollar. Bayer äußerte kürzlich, sein Diabetes-Geschäft abstoßen zu wollen.

Die Volatilität der M&A-Aktivität ist in diesem Kontext charakterisierend für die schnelle Veränderung in der Pharmabranche. Ein innovatives Medikament kann diesen Sektor schlagartig verändern, so dass andere Medikamente ihre Wettbewerbsfähigkeit verlieren und sich infolgedessen Machtverhältnisse verschieben. Umsätze in der Pharmabranche sind stark abhängig von dem Markterfolg einzelner Verkaufsschlager und deren Patentlaufzeit. Laufen die Patente aus oder sind keine neuen Produkte in der Pipeline, drohen erhebliche Einbußen aufgrund der wachsenden Generikakonkurrenz. Für die Stabilisierung der Umsätze kommen entweder Forschungserfolge aus den eigenen Laboren oder der Zukauf von Konkurrenzprodukten in Frage. Große Pharmaunternehmen versuchen daher, aufgrund auslaufender Patente und teurer Medikamentenforschung und -entwicklung Innovationen zu kaufen und bedienen sich bei der Konkurrenz.

Bei den anvisierten Zielen der Finanzinvestoren ist der Healthcare-Markt führend; mehr als die Hälfte der Finanzinvestoren erwartet in diesem Sektor weitere Transaktionen. Neben dem Arzneimittelbereich verspricht auch der Medizinproduktemarkt viele interessante Player. Oft sind jedoch in diesem Markt die Wachstumsvorstellungen nicht vergleichbar mit innovativen Konsumgütern aus der Unterhaltungs- und Freizeitelektronik. Unternehmen im Gesundheitswesen in Deutschland sind als Kaufobjekte insbesondere dann attraktiv, wenn ein solides Marktumfeld mit relativ konstanten Marktverteilungen gesucht wird. Viele Unternehmen sind aufgrund ihrer optimalen Marktpositionierung und idealen strategischen Aufstellung trotz eines moderaten Wachstums für eine weitergehende Analyse lohnende Objekte.