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Rund 12.000 ärztliche Stellen sind aktuell in Deutschland unbesetzt. Das liegt auch an den Arbeitsbedingungen, der hohen Belastung und der mangelnden Vereinbarkeit von Familie und Beruf in diesem Bereich. Zwei Ärzte und ehemalige Studenten der Universität Witten/Herdecke haben sich dieser Problematik angenommen und das Internetportal „ArztInTeilzeit“ ins Leben gerufen. Ziel der Initiatoren ist es, das Arbeiten in Kliniken flexibler zu machen.

Dazu bietet das Portal Ärztinnen und Ärzten jeden Ausbildungsgrades die Möglichkeit, einen beruflichen Partner zu finden, mit dem sie sich eine ärztliche Stelle teilen können. Aus Sicht der beiden Gründer, Maren Bongartz und Raphael Tsoukas, sei der Bedarf für ein solches Jobsharing-Portal vorhanden: Denn 38.000 Mediziner in Deutschland arbeiten zur Zeit nicht im kurativen Bereich. Nach einem Gutachten des Ministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherung geben davon 44 Prozent an, grundsätzlich gerne wieder im alten Beruf arbeiten zu wollen. Als wichtige, diesem Wunsch entgegenstehende Barrieren werden zu hohe Arbeitsbelastung und mangelnde Vereinbarkeit des Berufs mit Familie und Freizeit genannt.

Möglich sei die Teilung der Arbeitswoche, ein wochenweiser oder monatlicher Wechsel. Zudem würden Nacht- und Wochenenddienste aufgeteilt. Ein Vorteil des Portals sei daher, dass für die Abteilung sich die Suche nach einer Vertretung in der Zeit, in der ein Teilzeitbeschäftigter nicht vor Ort ist. erübrigt. Ein weiterer Vorteil dieser Lösung liegt nach den Initiatoren so auch in der Kontinuität der Patientenversorgung. Ein positives Feedback hätte das Modell bereits aus dem Markt erhalten. Chefärzte und auch Leiter von Personalabteilungen sehen es als positiv an, einen gewissen Teil an Teilzeitkräften einzustellen. Diese schätzten besonders, dass Teilzeitbeschäftigte oft überdurchschnittlich effektiv und motiviert in der Patientenversorgung arbeiteten.

Mit der steigenden gesellschaftlichen Bedeutung von Work Life Balance, also dem Ausgleich von Arbeit und Privatleben, stellt das Portal einen interessanten Ansatz für die ohnehin stark belasteten Mediziner dar. Der Trend zu mehr Ausgleich ist auch in der Wirtschaft erkennbar: Nicht nur Berufseinsteiger, auch immer mehr gestandene Manager verzichten lieber auf beruflichen Glanz als auf ihr Privatleben. Unternehmen nehmen diesen Trend auf und implementieren zunehmend Maßnahmen wie  bspw. Jahresarbeitszeitkonten, Vertrauensarbeitszeit, Telearbeit, Job Sharing, Kinderbetreuung oder Gesundheits-Checks. Inwiefern sich mit dem Angebot für Teilzeitärzte aber wirklich der Ärztemangel beheben lasst, bleibt abzuwarten und hängt letztlich davon ab, wie viel Ehemalige tatsächlich in ihren alten Beruf zurückkehren wollen.