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Die Kosten für die Entwicklung von Medikamenten haben sich in den vergangenen drei Jahrzehnten um das Zehnfache  auf 1,2 Mrd. GBP erhöht, geht aus einer von der pharmazeutischen Industrie finanzierten Studie, hervor. In den 1970er Jahren lagen diese laut der Studie noch bei rund 125 Mio. GBP. Zu diesem Ergebnis kommt das britische Unternehmen The Office of Health Economics.

Die Zahl dürfte die Diskussionen in der Pharmabranche besonders in Zeiten härterer Verhandlungen über Arzneimittelpreise und einer gewachsenen Konkurrenz durch Generikahersteller weiter entfachen. Aktuell haben mit Roche und Johnson & Johnson zwei führende forschende Pharmaunternehmen im Rahmen der Veranstaltung „FT Global Pharmaceutical and Biotechnology Conference“ in London verkündet, ihre Forschungsbudget drastisch zu senken. Ziel sei, es die Ausgaben für klinische Studien in den nächsten fünf Jahren zu halbieren. Zur Begründung führte Franz Humer, Verwaltungsratspräsident des Basler Pharmakonzerns an, dass ein verstärkter Medikamentenabsatz in den Schwellenländern längst nicht den steigenden Druck auf die Medikamentenpreise in Westeuropa kompensieren kann.

Eigentlich ist es inzwischen nichts Besonderes, wenn ein Pharmaunternehmen berichtet, die F&E Ausgaben zu senken. Aber: Anders als die Konkurrenz konzentriert sich Roche überwiegend auf die Forschung. Roche gilt als Vertreter der klassischen Pharmastrategie, wie sie die meisten Konzerne noch vor zehn Jahren gefahren haben. Sehr konzentriert auf Innovation, darauf, große sogenannte Blockbuster-Medikamente herauszubringen. Erst im vergangenen Juni hatte der Baseler Konzern entschieden, den seit langem bestehenden US-Standort Nutley zu schließen und das so freigewordene Kapital in die Medikamentenforschung zu stecken. Nun will der Pharmakonzern auf Produktivitätssteigerungen und eine strikte Priorisierung von Entwicklungsprojekten setzen, um den ausufernden Kosten entgegenzuwirken.

Eine weitere Strategie von Roche, den Preisdruck entgegen zu treten, findet sich in der engen Verzahnung der Diagnostik- und Pharma-Sparte. So entwickelt Roche mehr als 60% der Projekte in der Pharma-Pipeline bereits mit diagnostischen Begleittests. Inzwischen hat der Konzern nach eigenen Angaben mehr als 200 Kooperationen zwischen den beiden Sparten. Damit bringt sich der Weltmarktführer in der Krebsmedizin im Bereich der personalisierten Medizin in eine starke Position. Auch wenn im Sommer Versuche den Gentechnikspezialisten Illumina zu übernehmen, scheiterten, ist Roche mit einem Marktanteil von etwa 20 Prozent der mit Abstand größte Anbieter im Diagnostiksektor vor Siemens, Johnson & Johnson und Abbott.

Arzneimittel nach individuellen Merkmalen zu personalisieren ist ein Megatrend in der Pharmazie und könnte sich zu einer entscheidenden Komponente in der Forschung entwickeln. Einige pharmazeutische Unternehmen haben sich inzwischen auf den Trend eingestellt. Dazu zählt sicherlich Roche, bei dem die Entwicklung von Therapeutika und Diagnostika unter einem Dach erfolgt. Weitere werden folgen und in künftigen Budgetbverhandlungen mit Kostenträgern auf den Vorteilen des Verfahrens pochen.

Das jüngste Beispiel für die Attraktivität des Segments stammt aus dieser Woche: Der US-Biotech-Konzern Amgen hat den isländischen Genspezialisten Decode Genetics für 415 Mio. Dollar übernommen.