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Seit Jahren gibt es Rechtsstreitigkeiten zwischen Krankenkassen und Pflegeheimbetreibern, wenn es um die Methodik bei der Qualitätsbewertung von Pflegeheimen geht. Hauptkritikpunkte sind dabei, dass die vergebenen Noten als zu wenig differenziert gelten – schließlich schneiden nahezu alle Heime und ambulante Pflegedienste mit sehr gut ab – und nicht die eigentliche Qualität der Pflege widerspiegeln.

Seitens des zur Lösungsfindung einberufenen Schiedsverfahren wird nun für die nächsten Wochen ein offizieller Beschluss zur Nachbesserung der bislang 82 Einzelkriterien erwartet. Berichtet wird, dass sich Kassen und Träger von Pflegeheimen bereits auf eine neue Bewertungssystematik geeinigt hätten. Schon Anfang des Jahres ist durch das Bundessozialgericht klargestellt worden, dass die Benotung der Qualität (mit Schulnoten von 1-5) und die Veröffentlichung der Ergebnisse im Internet – bspw. unter pflegelotse.de oder bkk-pflegefinder.de – von Pflegeheimen und ambulanten rechtens ist.

Grundlegendes Ziel der Überarbeitung ist es, die Ergebnisse der Prüfung stärker an der tatsächlichen Pflegequalität auszurichten. Bislang wurden alle Kriterien gleich stark gewichtet, was dazu führt, dass eine ausreichende Flüssigkeitsversorgung genauso stark in eine Bewertung einfließt wie ein gut lesbarer Speiseplan.

Die neue Qualitätsbewertung der Pflegeheime soll aufgrund dieses Methodenfehlers nun u.a. stärker berücksichtigen, wie häufig sich Bewohner in der Einrichtung wund liegen oder wie oft sie mit schwerwiegenden Folgen gestürzt sind. Zudem wird eine neue Stichprobenregelung Teil der neuen Qualitätsbewertung sein: Pro Pflegeheim ist dann eine Begutachtung der Pflege von insgesamt neun Bewohnern vorgesehen – drei Bewohner aus jeder Pflegestufe sollen hierzu zufällig ausgewählt werden. Im Vergleich zur derzeitigen Vorgehensweise  – bei der die Pflegebedürftigen im Rahmen einer geschichteten zufälligen Stichprobe vor Ort durch das Prüfteam ausgewählt werden – würde das neue Modell zur einer Ausweitung der zu prüfenden Pflegebedürftigen auf 100.000 Personen führen.

Die Benotung der Pflegeheime soll Angehörigen dabei helfen, sich ein zuverlässiges Bild von einer Einrichtung zu verschaffen. Hierbei ist es für die Angehörigen zur Entscheidungsfindung wichtig zu wissen, ob in einer Einrichtung bspw. mehr Wundgeschwüre, Stürze, Oberschenkelhalsbrüche, Fehl- und Mangelernährungen oder Krankenhauseinweisungen auftreten als in einem anderen Pflegeheim. Angehörige wollen ferner wissen, wie viel Zeit für einen Pflegebedürftigen aufgebracht wird und wie viele Fachkräfte für die Pflege zur Verfügung stehen.

Daher scheint ein neues Bewertungsverfahren, das sich an pflegerelevanten Parametern orientiert und diese auch bei der Notengebung entsprechend berücksichtigt, längst überfällig zu sein. Sollte eine derartige Entscheidung dann von der Schiedsstelle getroffen werden, darf man gespannt sein, wie die Reaktion seitens der Pflegeheime aussieht. Eine Benotung, die tatsächliche Unterschiede in der Pflegequalität offensichtlich macht, dürfte jedenfalls von Pflegeheimen mit einem sehr guten Service nicht gefürchtet werden.