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Die zum Gesundheitskonzern Fresenius SE gehörende Tochter Helios-Kliniken will weiter im Klinikmarkt expandieren. In den letzten sechs Monaten hatte der private Klinikbetreiber mit Sitz in Berlin bereits mit den beiden Mehrheitsbeteiligungen an dem Konkurrenten Damp (94,7 Prozent) und dem Katholischen Klinikum Duisburg (51 Prozent) seine Marktposition ausgebaut. Zum Klinikbetreiber Helios, der 2011 bei einem Umsatz von 2,7 Mrd. Euro einen Gewinn von rund 163 Mio. Euro erwirtschaftete, gehören inzwischen 75 Kliniken.

Die Wachstumschancen auf dem deutschen Klinikmarkt scheinen dabei für die Helios-Kliniken-Gruppe, die neben Asklepios und Rhön-Klinikum zu den drei großen privaten Klinikbetreibern in Deutschland zählt, erfolgsversprechend. Nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) schreibt jede fünfte der 2.064 Kliniken in Deutschland bereits heute rote Zahlen. In diesem Kontext bekräftigte Fresenius-Chef Ulf Schneider weitere Privatisierungsvorhaben und richtete den Blick bereits auf kommende Übernahmen: „Wir wollen weiter expandieren und an der Privatisierung teilhaben. In den ersten Monaten dieses Jahres sind bereits Kliniken mit einem Jahresumsatz von 400 Millionen Euro auf dem Markt.“

Mit Blick auf den Klinikmarkt ist davon auszugehen, dass Kommunen und andere öffentliche Träger auch in Zukunft Käufer suchen, die Expertise und Kapital mitbringen. Bis 2020, so prognostiziert das Wirtschaftsinstitut RWI, werden rund zehn Prozent der deutschen Kliniken, die in öffentlichem Besitz sind, in akute Finanznöte geraten. Dementsprechend bietet sich langfristig ein hohes Wachstumspotential für Helios und andere private Ketten, die jeweils nur einen Marktanteil von etwa drei bis vier Prozent des auf 70 Mrd. Euro geschätzten Marktvolumens für Krankenhausdienstleistungen haben.

Diese Aussicht weckt Begehrlichkeiten und heizt den Wachstumswettlauf der privaten Klinikbetreiber weiter an. Die Zukäufe verschlingen jedoch viel Geld und drücken infolgedessen auf die Gewinnmargen der Krankenhauskonzerne. Kürzlich stieg bspw. der Helios-Konkurrent Rhön-Klinikum bei den städtischen Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) in Wiesbaden für rund 300 Mio. Euro ein und ist nach eigenen Angaben aktuell bei acht Privatisierungen als Interessent dabei. Aus diesem Grund ist seit dem letzten Jahr auch eine zunehmende Konsolidierung der Klinikbetreiber selbst zu erkennen. Beispiele hierfür sind die Aufstockung des Aktienpaketes (53 Prozent) des Marktführer Asklepios beim kleineren Wettbewerber Mediclin und die Übernahme der Damp-Gruppe – einer der zehn größten Klinikbetreiber – durch Helios.

Ein Ende der Privatisierungswelle ist derzeit nicht in Sicht. Auch im laufenden Jahr warten private Klinikbetreiber wieder auf Kaufgelegenheiten im öffentlichen Sektor. Aktuell ist das hoch defizitäre Klinikum Offenbach im Visier der Krankenhauskonzerne. Unter den Kaufinteressenten ist auch Helios.