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Nachrichten über einen künftigen Personalmangel in der ärztlichen Versorgung sind keine Neuheit. Nun aber belegt die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein den Bedarf an Nachwuchskräften mit Prognosezahlen bis zum Jahr 2030. Die Vereinigung zu der rund 19.000 Vertragsärzte, Psychotherapeuten und ermächtigten Ärzte in Krankenhäusern zählen, ist sich sicher, dass vor allem bei den Hausärzten Versorgungsengpässe drohen.

Der am Montag vorgestellte Versorgungsreport, der unter anderem auf Analysen von Abrechnungs- und Strukturdaten der KV beruht, beschreibt die Ist-Situation der Versorgung im Rheinland – und entwickelt Szenarien für die Zukunft. Folgende Ergebnisse lassen sich dabei festhalten:

  • Die Ärzte in der Region sind im Moment durchschnittlich 52,2 Jahre alt
  • 80 Prozent der heute praktizierenden Hausärzte wird bis 2030 in den Ruhestand gehen.
  • Im Rheinland versorgt ein Hausarzt im Durchschnitt 1.592 Einwohner – das ist der nordrheinische Durchschnitt. Er schwankt zwischen 1.072 (Bad Honnef) und 2.467 (Kaarst), je nach Versorgungsregion.
  • Die KV Niederrhein geht davon aus, dass  bis zum Jahr 2030 5.000 neue Ärzte gewonnen werden müssen.
  • Um das derzeitige Versorgungsniveau halten zu können, müssten 200 Ärzte jedes Jahr in den Beruf einsteigen. Allerdings absolvieren nur 100 Nachwuchsmediziner jedes Jahr die Facharztprüfung für die Allgemeinmedizin.
  • Zum Vergleich: 2006 waren es noch 233 Mediziner.
  • Sollten die Niederlassungszahlen auf dem Niveau der letzten fünf Jahre bleiben, würden 2030 rund 1.700 Hausärzte fehlen

Auch wenn die Problematik die Allgemeinmediziner am stärksten treffen dürfte, haben auch Fachärzte – wenn auch nur regional und bei bestimmten Fachgebieten – Nachwuchsprobleme. Bedingt durch die alternde Gesellschaft und die stagnierenden, teils sogar rückläufigen Niederlassungszahlen wächst der Bedarf an Augenärzten, Urologen und HNO-Ärzten.

Mit dem Versorgungsreport, der auf der Website www.versorgungsreport.de einsehbar ist, kritisiert die KV zugleich strukturelle Mängel, welche die ambu­lante Versorgung in Nordrhein erschweren: „NRW ist Schlusslicht beider Vergütung für die ambulante Versorgung“, heißt es in der Presseerklärung. Aus diesem Grund fordert die KV eine Anhebung auf den Bundesdurchschnitt.

Neben den dargestellten Fakten zur ärztlichen Versorgung in Niederrhein, verweist die KV allerdings auch auf erste Erfolge bei den eingeleiteten Gegenmaßnahmen, zu denen besonders der Wandel der Arbeitsformen gehört: So habe sich die Zahl ambulant tätiger angestellter Ärztinnen und Ärzte seit 2008 mehr als verdoppelt, die Anzahl der Ärztinnen und Ärzte in Teilzeit sogar vervierfacht. Zudem würden kooperative Arbeitsformen immer beliebter: 47 Prozent aller zugelassenen Ärzte arbeiteten der KV Niederrhein zufolge in einer Gemeinschaftspraxis. Hinzu kommen Ärzte in Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ).

Job-Sharing oder andere flexible Arbeitsmodelle können sicherlich einen Beitrag zur Bewältigung des Ärztemangels leisten, ebenso wie die Delegation von ärztlichen und organisatorischen Tätigkeiten auf eine medizinisch geschult Fachkraft. Allerdings zeigt der seit Jahren negative Saldo von Zu- und Abwanderung von Medizinern, das sich auch die Attraktivität der Berufsbedingungen in Deutschland im Vergleich zum Ausland verbessern muss.