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Mit 400 Prozent Wachstum bezifferte das Magazin kma vor wenigen Tagen den Anstieg der Leiharbeit in deutschen Pflegeberufen zwischen 2005 und 2011. Was nach einem gigantischen Zuwachs klingt, ist jedoch nur der Effekt eines eigentlich kleinen Anteils von Leiharbeit in der Pflege von etwa 1 Prozent. Betrachtet man den jährlichen Zuwachs, lässt sich ein Wachstum von ca. 26 Prozent p.a. feststellen. Verglichen mit dem Zuwachs der Beschäftigten in Pflegeberufen insgesamt von 2,1 Prozent ist dieser Wert jedoch bezeichnend und spricht dafür, dass Leiharbeit in der Pflege weiter an Bedeutung gewinnen wird. Somit wächst der Anteil der Leiharbeit circa zehnmal so stark wie der Gesamtstand an Beschäftigten in Pflegeberufen.

Die häufig in den Medien mit den Schlagworten Ausbeute oder Lohndumping verbundene Diskussion um Zeit- und Leiharbeit greift mit hoher Wahrscheinlichkeit auch erneut auf die Beschäftigungsbereiche im Gesundheitswesen über. Derzeit befindet sich das System in einer konträren Entwicklungssituation: einerseits gibt es einen großen Fortschritt im Bereich der Professionalisierung und Akademisierung in der Pflege und den mit ihr verbundenen Berufsbildern, auf der anderen Seite kann ein Personalnotstand ausgemacht werden, so dass viele offene Stellen auch bei Kliniken in Ballungszentren nicht mehr besetzt werden können.

Die Entlastung von Ärzten durch die Delegation von medizinischen Leistungen auf das Pflegepersonal kann systematisch nur mit einer weiteren Delegation von pflegerischen Leistungen auf ungelerntes Personal beantwortet werden. Eine Leistungs- und auch Vergütungsspirale, die einen Abwärtstrend aufweist, ist in Gang gebracht worden. Wird auf jeder Kompetenzstufe die Leistungsmenge dermaßen stark verdichtet, bleiben letztlich für nicht-behandlungspflegerische Leistungen nur noch auf der niedrigsten Qualifikationsstufe gering verügutete Personalressourcen übrig. Zeit- und Leiharbeitsunternehmen haben sich diesen Umstand schon seit langem zu Nutzen gemacht und profitieren von guten Geschäften mit Leih- und Zeitarbeitern in der Pflege, sowohl für qualifiziertes Pflegepersonal als auch für gering qualifizierte Kräfte.

Die Zahl der Beschäftigten in Pflegeberufen ist in den vergangenen 10 Jahren um 23 Prozent gestiegen. Mehr als 23 Prozent aller Pflegekräfte haben keine originäre Pflegeausbildung. Lösungen, die sich mit der Finanzierbarkeit durch das System bei qualifizierten Pflegeleistungen realisieren lassen, sind für Kliniken, aber auch ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen, mehr gefragt denn je.