Seite auswählen

Die Fusionswelle in der gesetzlichen Krankenversicherung ist deutlich abgeebt. Grund ist die gute Finanzlage der Krankenkassen und damit der geringere Druck, Fusionen einzugehen. Lange anhalten wird dieser Trend allerdings wohl nicht.

Insgesamt gab es im Verlauf des Jahres 2012 acht Zusammenschlüsse. Zu Jahresbeginn 2013 sind drei Fusionen erfolgt. Derzeit existieren noch 134 gesetzliche Krankenkassen. 1990, ein Jahr nach der Wiedervereinigung, gab es in den alten Bundesländern noch 1147 Krankenkassen. Der große Schub erfolgte zwischen 1995 und 2000, als die Zahl der Krankenkassen von 960 um mehr als die Hälfte auf 420 schrumpfte.

Besonders bei den geöffneten Krankenkassen sind Fusionen seit der Gesundheitsreform 2007, mit der die Einführung des Gesundheitsfonds beschlossen wurde, zum Dauerthema geworden. Im Jahr 2009, als der Gesundheitsfonds gestartet ist, gab es insgesamt 27 Fusionen zwischen Krankenkassen. Manche Anbieter haben gleich mehrfach fusioniert. Auch das Jahr 2010 war geprägt von Zusamenschlüssen zwischen Krankenkassen. Höhepunkt der Fusionswelle war gewiss die Elefantenhochzeit im Jahr 2010 zwischen der Barmer und der GEK , die zur größten deutschen Krankenkasse mit über 8 Mio. Versicherten geführt hat und den damaligen Branchenführer, die Techniker Krankenkasse, die ein Jahr zuvor die IKK-Direkt übernommen hatte, ablöste. Im Jahr 2011 verschwanden sieben weitere Krankenkassen vom Markt. Hier zeigten sich die AOKen aktiv, wie bspw. beim Zusammenschluss der AOK Nordost im Januar 2011.

Die Gründe für den nun erkennbaren zurückgehenden Fusionstrend liegen auf der Hand:

  • Die günstige finanzielle Situation in der GKV lässt den Zwang zu strategischen Fusionen, wie er in früheren Jahren bestanden hatte, schwächer werden.
  • Das Potenzial zu Zusammenschlüssen erscheint aus heutiger Sicht weitgehend ausgereizt zu sein.
  • Der Begriff Fusionswelle beinhaltet schon einen zyklischen Charakter:  Aus anderen Branchen ist die Entwicklung bekannt. Marktteilnehmer fusionieren um eine mächtige Stellung zu erhalten. Im Anschluss werden wiederum Konzerne zerschlagen, um sich zu spezialisieren. Es ist eine Abfolge von Anreicherung und anschließendem Zerfall.

Die weitere Entwicklung in der GKV dürfte interessant sein. Die Annahme von Experten, dass es in einigen Jahren weniger als 100 gesetzliche Krankenkassen geben könnte, scheint dann keine Utopie mehr zu sein, wenn sich die finanzielle Situation der Kassen aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten wieder eintrüben sollte und sie dazu zwingt, Zusatzbeiträge von ihren Mitgliedern zu erheben. Und aus Sicht der Kassen wäre es dann wieder attraktiv, sich zu großen Kassen zusammenzuschließen, um gegenüber Ärzten oder Pharma- und Hilfsmittelindustrie eine höhere Verhandlungsmacht aufzubauen. Zudem haben Kassen ab einer bestimmten Größenordnung von Mitgliedern im Millionenbereich mehr Chancen am Markt erfolgreich zu bestehen. Die nächste Fusionswelle lässt sicher nicht lange auf sich warten…