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Wie viele Alleinlebende gibt es in Deutschland? Wie hat sich ihre Zahl in den letzten 20 Jahren entwickelt und wie unterscheidet sich die Situation von Alleinlebenden in Abhängigkeit des Alters? Diesen und weiteren Fragen ist die am Mittwoch (11.07.2012) veröffentlichte Studie des Statistischen Bundesamts nachgegangen und ist dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass das Alleinleben zu einem festen Bestandteil in der deutschen Gesellschaft geworden ist.

Konkret lässt die Studie, für die das Statistische Bundesamt 1 Prozent der deutschen Bevölkerung befragt hat, erkennen, dass der Anteil der Alleinlebenden an der Gesellschaft seit 1991 um 40 Prozent gestiegen ist. Heute beträgt dieser 20 Prozent und umfasst 15,9 Millionen Menschen. Zum Vergleich: Vor zwanzig Jahren gab es 11,4 Millionen Alleinlebende (14 Prozent der Bevölkerung).

Der Anteil der Alleinlebenden in Deutschland erreicht jedoch nicht nur im zeitlichen Kontext einen Höchstwert. Auch im internationalen Vergleich (EU-Durchschnitt: 13 Prozent) belegt Deutschland bei der Zahl der Ein-Personen-Haushalte einen der vorderen Plätze. Fest steht für die Autoren der Studie zudem, dass nach aktuellen Berechnungen im Jahr 2030 sogar rund 23 Prozent der Einwohner alleine leben werden – dies wären dann rund 18 Mio. Menschen.

Wirft man einen genaueren Blick auf die Verteilung der Alleinlebenden in den drei untersuchten Altersgruppen (18 bis 34 Jahre , 35 bis 64 Jahren und über 65 Jahren) und das Geschlecht, so fällt auf, dass das Alleinleben besonders unter älteren Menschen verbreitet ist. Während im jungen und mittleren Alter Männer häufiger als Frauen einen Einpersonenhaushalt führen, sind es im höheren Alter eher die Frauen.

Eine Ursache dafür ist die deutlich höhere Lebenserwartung von Frauen. Mit über vier Millionen ist der Anteil von Frauen über 65 die größte Gruppe unter den Alleinlebenden – der überwiegende Anteil unter ihnen ist verwitwet. Mit zunehmendem Alter vergrößert sich zudem der Unterschied der Alleinlebendenquoten von Frauen und Männern: Mit 70 Jahren leben laut der Untersuchung Frauen (32 Prozent) doppelt so oft allein wie Männer (16 Prozent).

Diese gesellschaftliche Entwicklung berührt viele Wirtschaft- und Marktbereiche. Begonnen bei Freizeitangeboten und zunehmender Relevanz von sozialen Netzwerken bis hin zu Angeboten von Pflege und Wohnformen für alleinlebende ältere Menschen. Insbesondere im Gesundheitswesen werden die Bereiche Pflege und Homecare wie auch stationäre Dauerpflege vor Herausforderungen gestellt, die in den nächsten Jahren wachsen. Wie kann bei steigendem Pflegeaufwand im Alter ein Mensch in seiner häuslichen Umgebung auch allein umsorgt werden? Wer übernimmt die Aufgaben des Alltags? Es ist auch zu erwarten, dass die Hospitalitiserungs- und Heimquote bei älteren Menschen ansteigt, wennn sie in ihrem häuslichem Umfeld allein nicht mehr zurecht kommen. Viele Unternehmen der ambulanten aber auch stationären Versorgung müssen sich die Frage stellen, welche Implikation diese Entwicklung auf ihr Geschäft nehmen kann.