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Einer Untersuchung des Bundesverbandes Gesundheits-IT (bvitg) zufolge ist die IT-Branche im Gesundheitswesen ein Wachstumsmarkt – wenn auch nur zunehmend im Ausland. Darauf weisen erste Ergebnisse der Studie hin, nach denen die Firmen für die Zukunft eine steigende Nachfrage, höhere Umsätze und zunehmende Mitarbei­terzahlen erwarten. In einigen Produktsegmenten, wie Sprachverarbeitung, Rechenzentrum/Cloudlösungen und DMS-Systeme, wird sogar ein großes Marktwachstum erwartet.

Für die Untersuchung befragte die Forschungsgruppe Informatik im Gesundheitswesen der Hochschule Osnabrück im Auftrag des Verbandes die im Verband organisierten Unternehmen – diese machen je nach Segment bis zu 90 Prozent des ambulanten und stationären Sektors aus – zur Unternehmenstätigkeit, zu allgemeinen Unternehmenszahlen, der wirtschaftlichen Entwicklung, und zu Personal, Technologie und Kundenorientierung.

Der Verband, der im Frühjahr 2011 aus dem Zusammenschluss des VDAP e.V. mit dem 1996 gegründeten VHitG e. V. hervorgegangen ist, teilte mit, dass ein Wachstum der Branche zunehmend im Ausland zu erwarten sei. So fielen die Wachstumsprognosen mit heimischen Produkten im Ausland bei den Befragten besonders gut aus. Matthias Meierhofer, stellvertretender Vorsitzender des bvitg-Vorstands, sieht Deutschland infolgedessen vermehrt in der Rolle des Gesundheits-IT-Exporteurs.

Jedoch offenbarte die Studie trotz der hervorragenden Wachstumsperspektive auch einen weiteren Trend der Branche, der künftig als Wachstumshemmer stärker ins Gewicht fallen könnte: Expansion erfordere hochqualifizierte Mitarbeiter, deren Rekrutierung für die Unternehmen zusehends problematischer wird. Diese Entwicklung werde aufgrund der wachsenden Nachfrage nach IT-Lösungen für das Gesundheitswesen verstärkt, so der Verband. Die große Mehrheit der Unternehmen habe schon heute Vakanzen und suche neue Mitarbeiter, um weiter zu wachsen. Vor allem Akademiker, speziell aus dem Bereich der Medizinischen Informatik, sind gefragt.

Das Wachstum des Healthcare-IT-Marktes, zu dem etwa unter anderem administrative und medizinische Informationssysteme für Krankenhäuser, Arztpraxen oder medizinische Versorgungszentren sowie patientenzentrierte Dienste wie bspw. Gesundheitsakten, eServices und Infrastrukturlösungen zu zählen sind, liegt seit einiger Zeit unverändert bei etwa einem Prozent. In den Augen von Branchenvertretern liegt diese Stagnation in Deutschland vornehmlich an den zögerlichen Vorgaben und der fehlenden Schaffung von Anreizen seitens der Politik, was eine geringere Investitionsbereitschaft der Leistungserbringer zur Folge hat. Dies sei übrigens im Ausland, etwa den USA, das Gegenteil.

Ungeachtet dessen sieht die auf knapp 700 Millionen Euro geschätzte Branche durchaus positiv in die Zukunft, da das Bestreben nach Qualitäts- und Effizienzsteigerung im Gesundheitswesen auch von einem steigenden Bedarf nach Informationen begleitet wird. Einen wachsenden Stellenwert der Informationstechnologie erhofft man sich konkret von dem Trend zur personalisierten Medizin. Denn hierbei muss über den Patienten eine große Menge an Daten erhoben und verarbeitet werden, um die richtige Diagnose zu stellen und über die richtige Therapie entscheiden zu können. Alle am Fall beteiligten Personen müssen über die für sie relevanten Informationen verfügen. Dafür brauche es Wissensmanagement, sichere Datenspeicherung und Mechanismen, die relevanten Daten herauszufiltern. Den Anbietern dürfte diese Entwicklungstendenz nur Recht sein und dabei zudem gleichgültig, dass die wachsende Nachfrage wohl hauptsächlich aus dem Ausland stammen wird.