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Die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) hat bisher vor allem durch etliche Probleme in der Umsetzung für Schlagzeilen gesorgt. Der ursprüngliche Einführungstermin zu Beginn des Jahres 2006 liegt nunmehr sechs Jahre zurück. Wann die geplanten Anwendungen ihren Nutzen unter Beweis stellen können, ist ungewiss.

Geht es nach Dr. Franz-Josef Bartmann, Vorsitzender des Telematik-Ausschusses der Bundesärztekammer, lässt sich das Großprojekt mit einem positiven Zwischenstand beschreiben: Die schrittweise Ausgabe der eGK seit Herbst 2011 habe dazu geführt, dass derzeit 10 Prozent der Bundesbürger die neue Karte erhalten haben. Zudem verfüge der größte Teil der Arzt- und Zahnarztpraxen sowie Krankenhäuser über Kartenterminals zum Einlesen der neuen Karte.

Auch die gematik, die Betriebsorganisation der eGK, betonte den Fortschritt des Telematik-Projektes und verkündete kürzlich den Startschuss für das EU-weite Vergabeverfahren für Feldtests der Online-Phase. Die Erkenntnisse aus den Feldtests sollen laut gematik die Grundlage für die fachliche, technische und logistische Umsetzung des bundesweiten Online-Rollouts bilden. Damit stehen zur Zeit die folgenden zwei Anwendungen zur Verfügung: Die eGK zur Erfassung der Versichertenstammdaten und als Europäische Krankenversicherungskarte zur Behandlung im Ausland.

Demgegenüber kritisieren Ärzte das Konzept scharf. Aus ihrer Sicht sei die Datensicherheit der eGK mangelhaft. Zudem sei die eGK ein Versuch bestimmter Gesellschaftsgruppen, um das bisherige Gefüge von Arzt und Patient in neue Strukturen zu drängen und so mehr Kontrolle auszuüben. Nicht nur Ärzte wehren sich gegen die eGK. Kritik kommt auch von Patientenvertretern und Datenschützern. Letztere richten ihre Kritik besonders gegen den geplanten Online-Versichertenstammdaten-Abgleich, wonach sensible Patientendaten künftig auf zentralen Servern gespeichert werden sollen, so dass alle Arztpraxen und Kliniken Zugang haben.

Angesichts der divergierenden Meinungen und des schleppenden Tempos des E-Health-Projektes lohnt ein Blick auf den Umsetzungsstatus in einem benachbarten Land: Die nationale elektronische Patientenakte in Frankreich, die über die Versichertenkarte (Carte Vitale) zugänglich ist, ist schon mitten in der Realisierungsphase. Damit ist Frankreich bei der Integration der eGK in das Gesundheitssystem deutlich weiter vorangeschritten als Deutschland. Die benötigte Software in den Praxen und Kliniken sei so gebaut, dass die Ärzte Daten für die elektronische Patientenakte „per Knopfdruck“ in die übergreifende Patientenakte schicken können. Interessant beim französischen Projekt ist, dass die Patientenakzeptanz bisher sehr hoch ist: Ein Grund hierfür dürfte darin liegen, dass Patienten darüber bestimmen können, welche Daten in der Akte stehen.

Zwar mag Frankreich aufgrund seiner zentralistischen Organisation bei derartigen Großprojekten profitieren, dennoch könnte Deutschland in der bevorstehenden bundesweiten Roll-Out-Phase vom französischen Vorbild lernen. Denn die Carte Vitale bietet zumindest beim Thema Datenschutz einige Übereinstimmungen. Abzuwarten bleibt, wann und inwieweit die Politik in Deutschland verbindlich eingreift und die Beteiligten zum „Mitmachen“ bewegt. CDU-Politiker Spahn warf jüngst den Ärzten vor, aus Angst vor Transparenz zu blockieren…