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Oftmals bleiben allein lebende Senioren nach einem Sturz unentdeckt, wenn sie den Hausnotruf nicht mehr bedienen können. 2011 starben in Deutschland 10.000 Menschen an den Folgen eines Sturzes. Über 80 Prozent davon waren über 70 Jahre alt. Der Sturz ist damit Hauptursache für traumatisch bedingte Todesfälle in diesem Alter. Je länger ältere Menschen nach einem Sturz unentdeckt bleiben, desto höher wird die Sterblichkeitsrate. Bereits bei einer Stunde ohne Hilfe erhöht sich die Sterblichkeitsrate um zwölf Prozent. Werden Personen erst nach drei Tagen gefunden, erhöht sich die Rate um 67 Prozent.

Im Rahmen eines europaweiten Forschungsprojektes unter Federführung des französischen Start-up Vigilio S.A. wurde das intelligente Sturzpflaster „Vigi´Fall“ entwickelt. Das Pflaster wird direkt am Körper getragen und ist wasserdicht, damit Menschen es auch unter der Dusche, eine der Hauptgefahrenstellen für Stürze, tragen können. Durch die eingebauten Beschleunigungs- und Lagesensoren stellt das Pflaster fest, dass der Träger gestürzt ist. Nun überprüfen die zum System gehörenden Wandsensoren ob trotz des gemeldeten Sturzes noch Bewegungen innerhalb der Räume wahrnehmbar sind. Erst wenn keine Bewegung erkennbar ist, wird ein automatischer Alarm an den Hausnotrufdienst weitergegeben. Vor der Einführung im Pflegeheimen und Krankenhäusern im November 2012 wurde „Vigi´Fall“ erfolgreich unter Laborbedingungen in stationären Einrichtungen und Privathaushalten getestet. Ab Herbst 2013 soll dann die Home-Version für Privathaushalte verfügbar sein. Noch dieses Jahr soll die 2. Generation des Pflasters getestet werden, das dann die Anforderungen des amerikanischen RFID-Standards entsprechen soll.

Auch die deutsche Telekom hatte im letzten Sommer angekündigt, in diesem Jahr ein neues Hausnotruf-System auf den Markt zu bringen, das allerdings ohne Sensoren am Körper arbeitet. Auch hierbei dienen in der Wohnung installierte Sensoren dazu, zu erkennen, ob jemand stürzt und Hilfe benötigt. Erkennt die Software nach einem Sturz eine tatsächliche Notlage, benachrichtigt sie automatisch eine rund um die Uhr besetzte Notrufleitstelle. Über eine Freisprecheinrichtung nimmt die Leitstelle Kontakt mit dem Hilfebedürftigen auf. Zusätzlich können die Helfer über ein grafisch verfremdetes Bild einen Eindruck gewinnen, wie die Situation vor Ort ist.

Trotz einiger kleinerer Unterschiede der angebotenen Systeme, haben deren Hersteller eines gemeinsam: Das Angebot richtet sich vor allem an allein lebende Senioren. Und damit folgen die Hersteller einem Trend: 2020 werden knapp 20 Prozent der Deutschen älter als 70 sein und viele dieser möchten möglichst lange selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben. Die Gesellschaft wird jedoch nicht nur älter, sondern lebt zunehmend allein: Nach Angaben des statistischen Bundesamtes ist der Anteil der Alleinlebenden in der Gesellschaft seit 1991 um 40 Prozent gestiegen.  Heute beträgt dieser 20 Prozent und umfasst 15,9 Millionen Menschen. Mit Blick auf die Altersstruktur der Alleinlebenden wird zudem deutlich, dass Single-Haushalte besonders unter älteren Menschen verbreitet sind.

Aktuell erstatten die Pflegekassen auf Antrag die monatlichen Kosten für ein Hausnotrufsystem bis zu einer Höhe von 18,36 Euro. Dies erfolgt jedoch nur, wenn dem Versicherten bereits eine Pflegestufe zugewiesen wurde. Ohne Pflegestufe ist die Erstattung nur mit einem ärztlichen Attest möglich. Zukünftig ist nicht absehbar, dass Kosten für einen erweiterten Hausnotruf übernommen werden. Diese Art der Sturzüberwachung kommt den Menschen bei Ihrem Wunsch länger Zuhause verbleiben zu können entgegen, was vermutlich dazu führen wird, dass sie vermehrt bereit sind, auch Aufzahlungen für ein solches System zu leisten. Denkbar wäre, dass Hilfsmittelhersteller mit Herstellern von Hausnotrufen kooperieren, um beispielsweise bei Fall aus dem Rollstuhl einen Alarm auszulösen.