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Viele Trends kommen aus den USA nach Deutschland. So könnte auch dieser Ansatz der Gesundheitsversorgung vielleicht einmal hierzulande Realität werden: Denn in den USA wird seit einiger Zeit ein neues Versorgungsmodell praktiziert, welcher sich einer immer großern werdenden Beliebtheit bei den Versicherten erfreut. In großen Einkaufszentren werden Gesundheits-Kioske eingerichtet, in denen sowohl Gesundheitsinformationen als auch Primärversorgung angeboten werden.

Bereits über 1000 Einrichtungen

Die in den USA „Convenient care clinics“ (CCC) genannten Leistungserbringer sind vornehmlich in Einzelhandelsgeschäften, Supermärkten und Apotheken lokalisiert. Dort behandeln sie kleinere Krankheiten wie bspw. Infektionen der oberen Atemwege, Bronchitis, Ohrinfektionen, Grippe und Bindehautentzündungen und leisten präventive Gesundheitsdienstleistungen. Die Gesundheitskioske werden auch als „Retail clinics“, „Retail-based cinics“, „walk-in clincs“ oder „nurse-in-a-box“ bzeichnet. CCC sind in der Regel durch Nurse Practitioners oder Arzthelferinnen besetzt, einige von ihnen werden auch durch Ärzten betreut. Derzeit gibt es über 1.350 CCC in den USA. Die meisten davon sind sieben Tage in der Woche und 12 Stunden pro Tag während der Arbeitswoche und acht Stunden pro Tag am Wochenende geöffnet.

Steigende Akzeptanz bei Versicherten

Da die Gesundheitskioske ein noch relativ neues Versorgungsmodell darstellen, nutzt derzeit nur ein kleiner Prozentsatz der Amerikaner diese Form der Gesundheitsversorgung. Laut einer Studie der Rand Corporation, die im American Journal of Managed Care veröffentlicht wurde, findet das Angebot aber immer höhere Akzeptanz in der amerikanischen Bevölkerung: So habe die Zahl der Besuche in solchen Retail Clinics zwischen Januar 2007 und Dezember 2009 von 0,6 Besuchen per 1000 Versicherten (Januar 2007) auf 6,5 Besuche (Dezember 2009) zugenommen. Für die nahe Zukunft wird davon ausgegangen, dass die Verbreitung der Gesundheitskioske in den USA stark zunehmen wird.

Der entscheidende Faktor für die Inanspruchnahme durch die Versicherten stellt die Wohnortnähe der jeweiligen Retail Clinic dar. Versicherte sollen auf diese Weise aus Sicht der Betreiber frühzeitig an einen Leistungserbringer gebunden werden. Die Medizin solle sich den verändernden Bedürfnissen der Patienten anpassen, heißt es – dazu gehöre, den Patienten dort zu treffen, wo es für ihn angenehm ist.

Finnland setzt bereits auf Terveyskioski

Vielleicht ist diese Form der Primärversorgung auch ein Modell für Deutschland. Zumindest haben es die Deutschen den Amerikanern in Bezug auf die Errichtung gr0ßer Einkaufszentren bereits nachgemacht und hätten die benötigte Infrastruktur. Finnland hat schon positive Erfahrungen mit den dortigen „Terveyskioski“ gemacht. Hier hatte die Etablierung der Gesundheitskioske das Ziel, Bevölkerungsgruppen zu erreichen, die sonst selten eine Gesundheitseinrichtung aufsuchen. Aufgrund erste erfolgreicher Modellversuche wird das Projekt, das von den finnischen Kommunen finanziert wird, auf zunächst 45 weitere Einkaufszentren bis 2014 ausgeweitet…