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Nach den letzten beiden großen Fusionswellen in der Pharmabranche in den späten Neunziger und den frühen Zweitausender-Jahren könnte es eine Renaissance der Big-Pharma-Strategie geben. Schienen sich die Pharmakonzerne und die Finanzinvestoren bis dato einig, dass Übernahmen im hohen Milliarden Bereich nicht die erhoffte Wertsteigerung mit sich bringen, könnte nun das Interesse von Valeant Pharmaceuticals an Allergan und Spekulationen über einen potenziellen 100 Milliarden Dollar Deal von Pfizer mit Astra-Zeneca für eine Trendwende sorgen.

Eine Übernahme von Astra-Zeneca durch Pfizer könnte sogar die einstige Rekordtransaktion von GlaxoWellcome und SmithKline aus dem Jahr 2000 übertreffen. Damals war Glaxo Wellcome in einer 74 Mrd. Dollar schweren Transaktion in GlaxoSmithKline aufgegangen. Eine ähnlich große Summe wurde in den letzten zehn Jahren nur durch den Arzneimittelriesen Pfizer gezahlt, der 2009 für 68 Milliarden Dollar seinen Konkurrenten Wyeth übernommen hatte. Nun schickt sich also der US-Pharmariese an, sich seine eigene Bestmarke zurück zu erobern.

Wie konkret die Verhandlungen zwischen den beiden Pharmaunternehmen bereits sind, wollten die Beteiligten nicht bekannt gegeben. Es habe auch aber informelle Gespräche gegeben. Astra-Zeneca habe, so die „Sunday Times“ unter Berufung auf Investmentbanker und Branchenkreise, den Vorstoß aber abgelehnt, weshalb es derzeit keine weiteren Gespräche gebe. Als Gerüchte die Runde machten, dass Pfizer einen neuen Anlauf unternehmen würde, schoss die Astra-Zeneca Aktie gleich 9 Prozent in die Höhe.

Astra-Zeneca, selbst 1999 Produkt einer der letzten großen Konsolidierungen als das schwedische Unternehmen mit dem britischen Zeneca fusionierte, ist seitdem mit einem Jahresumsatz von 25,7 Mrd. Dollar zum neunt größten Pharmaunternehmen weltweit aufgestiegen. Im Falle einer Übernahme durch die Nummer 4 in 2013 mit einem Umsatz von 51,6 Mrd. Dollar würde der Branchenprimus Johnson &  Johnson heftige Konkurrenz erhalten. Zu bedenken gilt aber, dass das schwedisch-britische Unternehmen die Patentklippe in den letzten Jahren nicht umschiffen konnte und aufgrund des Exklusivitätsverlustes wichtiger Blockbuster-Medikamente extrem ins Straucheln geraten ist. Auch in den kommenden drei Jahren werden Nexium und Crestor ihren Patentschutz verlieren und sich dann dem Wettbewerb der Generika-Industrie stellen müssen. Der wahrscheinliche Umsatzverlust dürfte 9 Milliarden Dollar betragen. Schon in den letzten beiden Jahren verlor der Übernahmekandidat 8 Milliarden Dollar an Umsatz (2011: 33,6 Mrd. Dollar).

Zudem scheint der jetzige Zeitpunkt für eine Übernahme ungünstig. Unter der Leitung von dem früheren Roche CEO-Pascal Soriot hat sich das Unternehmen auf die Kernbereiche Krebs, Diabetes und Atemwegserkrankungen fokussiert. In der Folge hat Astra-Zeneca seinen Wert auch durch eine vielversprechende Innovationspipeline wieder gesteigert. Die 100 Mrd. Dollar dürften aber derzeit äußert teuer sein. Vielleicht spekuliert Pfizer darauf, dass das Unternehmen bis 2017 durch den neuen Fokus wieder auf 2013-Umsatzniveau landen will und dann auch neue Medikamente auf dem Markt erscheinen sollen. Vielversprechend ist hierbei die Krebs-Immuntherapie von Astra-Zeneca, die das Unternehmen durch eine 16 Milliarden Dollar schwere Akquisition von Medimmune erst 2007 gestärkt hatte.

Ob der geplante Megadeal zustandekommen wird, ist ebenso ungewiss wie dessen Erfolgsaussicht. Fakt ist, dass Pfizer in den fünf Jahren nach der Wyeth Übernahme die F&E Kosten halbiert hat. Oft ist dies die Konsequenz von Übernahmen dieser Größenordnung. Diese Aussicht dürfte die angestellten Wissenschaftler von Astra Zeneca wenig erfreuen.