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Der US-Pharmagroßhändler McKesson ist bei der lang angekündigten und als sicher geglaubten Übernahme des börsennotierten Stuttgarter Pharmagroßhändlers Celesio überraschender Weise nun doch gescheitert. In dem seit etwa Mitte des vergangenen Jahres andauernden Übernahmekrimi (wir berichteten) kam es, wie seit gestern bekannt wurde, zu einer unerwarteten Wende. McKesson mit Sitz in San Francisco hatte mit der 6,2 Mrd. schweren Übernahme geplant, einer der führenden Pharmagroßhändler in Europa zu werden. Im seinem Heimatland, den USA, gilt der Konzern bereits als Branchengigant. Die Übernahme der Celesio AG wäre die größte Transaktion in der deutschen Gesundheitswirtschaft seit 2006 gewesen. Zusammen wären McKesson und Celesio mit 81.500 Mitarbeitern weltweit und einem Jahresumsatz von mehr als 150 Mrd. Dollar (111 Mrd. Euro) zu einem der größten Pharmagroßhändler weltweit aufgestiegen.

Die Anteilseigner der Celesio AG  haben das Kaufangebot des US-Pharmariesen McKesson letztendlich nun doch nicht angenommen. Grund dafür ist, dass die Bedingung, an die das Übernahmeangebot geknüpft war, nicht erfüllt werden konnte. Es wurde vereinbart, dass mindestens so viele Investoren das Angebot von 23,50 Euro je Aktie annehmen, dass die Schwelle von 75 Prozent der Aktien von Celesio erreicht wird. Dies ist jedoch nicht gelungen. Am vergangenen Donnerstag hatte McKesson seine Offerte sogar noch erhöht und sich damit die Zustimmung des Großaktionärs und Hedgefonds-Investors Paul Singer erkauft, der das ursprüngliche Angebot von 23 Euro je Aktie als zu niedrig bezeichnet hatte. Dieser hat sich daraufhin mit seiner Fondsgruppe Elliott 25 Prozent an dem Stuttgarter Unternehmen gesichert. Singer drohen nun empfindliche Einbußen mit dem Investment. Im nachbörslichen Handel am Montag gab das Celesio-Papier deutlich nach und notierte mit 20,35 Euro um 16 Prozent unter seinem Schlussstand vom vergangenen Freitag. Eine Stellungnahme von Elliott konnte bisher noch nicht eingeholt werden.

Der Pharmagroßhandel in Deutschland, welcher als Bindeglied zwischen den aktuell etwa 1.500 Pharmaherstellern und den ca. 21.900 bundesweiten Apotheken (Stand Ende 2012) agiert, ist schon seit einiger Zeit in der Umbruchsphase. Es sind etwa fünf große Unternehmen, die hier zu Lande den Markt dominieren. Als Branchenführer gilt bislang mit nahezu 150 Vertriebszentren in 22 europäischen Ländern die Mannheimer Phoenix group. Im Jahr 2012 erzielte die Phoenix group einen Marktanteil von 27 Prozent. Auch die Essener NOWEDA eG Apothekengenossenschaft zeigt sich erfolgreich und konnte ihre Unabhängigkeit bislang bewahren. Im vergangenen Jahr konnte NOWEDA ihren Umsatz um 6,3 Prozent steigern und lag damit 2,8 Prozent über dem Branchendurchschnitt. Ebenso zu den Marktführern zählt der Frankfurter Apotheken-Zulieferer Anzag, welcher 2012 von der britischen Drogeriekette Alliance Boots übernommen wurde und seither unter dem Namen „Alliance Healthcare Deutschland“ auf dem Markt vertreten ist. Weiterhin gehört die Sanacorp Pharmahandel GmbH zu den deutschen Spitzenreitern. Sanacorp hat ihren Sitz in Planegg,  im oberbayerischen Landkreis München, und ist mittlerweile Teil der in Italien ansässigen Holdinggesellschaft Sanastera. Mit der Celesio-Tochter Gehe Pharma beherrschen diese fünf Unternehmen einen Marktanteil von 90 Prozent und generierten zuletzt einen Umsatz von 25 Mrd. Euro.

Für McKesson-Chef John Hammergren ist die gescheiterte Übernahme eine herber Niederlage. Denn im Verbund mit Celesio hätte er die Macht des Konzerns deutlich ausbauen können. „Wir sind enttäuscht, dass wir unser Angebot für Celesio nicht erfolgreich abschließen konnten“, teilte Hammergren mit. Sein Unternehmen sei aber gut aufgestellt und werde weiter nach Möglichkeiten suchen, sein Geschäft zu stärken. Auch Celesio selbst ist unzufieden über diese Wendung. „Wir bedauern, dass diese strategisch sinnvolle Transaktion nicht zustande gekommen ist. Eine Kombination von Celesio und McKesson hätte einen weltweit führenden Anbieter von Healthcare-Services geschaffen und Vorteile für Apotheken, Hersteller, Patienten und andere Kunden sowie für unsere Mitarbeiter gebracht“, so Marion Helmes, Sprecherin des Vorstands von Celesio. Haniel, der Duisburger Mischkonzern, welcher mit 50,1 Prozent an Celesio beteiligt ist, bedauert ebenso das Scheitern des Angebots. Haniels Vorstandschef Stephan Gemkow erklärte, dass diese Entwicklung jedoch weder für Haniel noch für Celesio ein Beinbruch sei. „Wir bei Haniel können nun in Ruhe die Situation analysieren und alle Optionen prüfen,“ meint Gemkow.

Branchenbeobachter bewerten den geplatzten Deal jedoch als Niederlage für den Großaktionär Haniel. Dieser hätte durch den Verkauf seine Schulden deutlich reduzieren können, die seit der Aufstockung des Anteils am Händler Metro auf ihm lasten. Nun muss Haniel seine Investitionspläne erst einmal auf Eis legen. McKesson hat bereits Alternativen zu einer Übernahme ins Spiel gebracht. Das Unternehmen habe mit Celesio schon seit einiger Zeit verschiedene andere Möglichkeiten sondiert, so Hammergren auf einer Healthcare-Konferenz des Bankhauses JP Morgan in San Francisco. Die Option eines Joint-Ventures wäre hierbei denkbar. Hammergren macht allerdings auch deutlich, dass seine Geduld nicht unendlich sei. McKesson werde keine zwei Jahre lang versuchen, eine Transaktion zustande zu bekommen. Das Unternehmen könne es sich nicht leisten, untätig auf seinem Kapital zu sitzen. Insider deuten diese Aussage auch als ein Signal an die Hedgefonds. Die Hedgefonds, die bei Celesio investiert seien, bräuchten keine Hoffnung mehr zu haben, dass McKesson zu einem längeren Gefeilsche bereit sei. Fest steht, dass der Konsolidierungsdruck bestehen bleibt. Die Branche steht unter hohem Preisdruck und Größe ist hierbei ein entscheidender Vorteil im Wettbewerb, um eine erhöhte Preismacht im Einkauf auch gegenüber den Pharmakonzernen durchzusetzen.