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Die Gesundheitsbranche ist laut einer Studie des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) für den Wirtschaftsstandort Deutschland von enormer Bedeutung. Grund hierfür sei die beachtliche Wachstums-, Innovations- und Exportkraft der Branche, die mit knapp 12 Prozent Anteil am Bruttosozialprodukt größten Wirtschaftssektor Deutschland bildet. Mit den in der Studie vorgelegten Fakten will der BDI, der kürzlich einen eigenen Ausschuss für gesundheitswirtschafltiche Themen gegründet hat, die einseitige Wahrnehmung der Branche als Kostenfaktor verändern.

Denn die Branche, in der nahezu jeder Siebte beschäftigt ist, sei vielmehr ein Wachstumstreiber der deutschen Wirtschaft. Laut der Studie wachse die Bruttowertschöpfung von Unternehmen der industriellen Gesundheitswirtschaft deutlich stärker als die der Gesamtwirtschaft. Diese Aussage belegten die Autoren der Studie, Wissenschaftler des Wirtschaftsforschungsinstituts WifOR und der Technischen Universität Berlin, mit folgenden Zahlen: Die sieben stellvertretend für die gesamte Branche betrachteten Unternehmen der industriellen Gesundheitswirtschaft steigerten ihre Bruttowertschöpfung von 2005 bis 2010 um fast 40 Prozent. Zum Vergleich: Die Gesamtwirtschaft wuchs im selben Zeitraum nur um rund 10 Prozent. Neben dem Gesundheitskonzern Fresenius wurden hierbei die in Deutschland forschenden und produzierenden Unternehmen Bayer Health Care, Boehringer Ingelheim, Merck, Grünenthal, Roche und Sanofi-Aventis berücksichtigt.

Ferner ließe sich die Innovationskraft der Branche anhand der FuE-Intensität – die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung pro Umsatz – ablesen. Diese Aufwendungen seien mit 9,1 Prozent ähnlich hoch wie in der Luft- und Raumfahrt (9,7 Prozent). Damit produziere die industrielle Gesundheitswirtschaft als eine der wenigen Branchen in Deutschland Spitzentechnologie, so der BDI. Auch die Exportquote der untersuchten Unternehmen lag deutlich über dem Durchschnitt des verarbeiteten Gewerbes: Rund 75 Prozent der Erlöse kommen aus dem Ausland. Im Vergleich mit mit den größten 15 Exportnationen in der Gesundheitswirtschaft gehe jedoch der deutsche Marktanteil zurück.

Einigkeit herrschte bei den Vertretern der Gesundheitswirtschaft jedoch auch in der Erkenntnis, dass sich die Branche bisher noch nicht als Gemeinschaft verstanden habe. Zu unterschiedlich seien die Interessen von Arzneimittelproduzenten, Medizintechnikunternehmen, Gesundheitsdienstleistern und Herstellern von Heil- und Hilfsmitteln in der Vergangenheit gewesen. Fragen, die sich hieran anschließen, könnten wie folgt lauten: Wie könnte in gemeinsames Agenda-Setting in der Gesundheitswirtschaft aussehen? Welche Aspekte müssten hierbei berücksichtigt werden, um eine branchenübergreifende Perspektive für alle im Gesundheitssektor tätigen Unternehmen zu formulieren?