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Der Hilfsmittelmarkt wächst im Jahr 2010 um 10 Prozent stärker als die Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenkassen. Die jährlich erfassten Gesundheitsausgaben messen die finanziellen Aufwendungen, die für die Wiederherstellung und den Erhalt der Gesundheit der Einwohner in Deutschland getätigt werden. Die kürzlich vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) veröffentlichten Daten für das Jahr 2010 haben gezeigt, dass die Gesundheitsausgaben im Vergleich zum Vorjahr absolut um 8,9 Mrd. Euro auf  287,3 Mrd. Euro gestiegen sind. Die prozentuale Ausgabensteigerung von 3,2 Prozent entspricht dabei in etwa dem durchschnittlichen Wachstum zwischen 2000 und 2009 von 3 Prozent.

Vor dem Hintergrund der wachsenden Bedeutung der Hilfsmittelversorgung in unserer Gesellschaft, deren Lebenserwartung stetig zunimmt, lohnt ein Blick auf die Gesamtausgaben für die Hilfsmittel. Im Jahre 2010 wurden insgesamt 6,01 Mrd. Euro bzw. 3,64 Prozent in der GKV für Hilfsmittel ausgegeben – und damit für Produkte wie Rollstühle, Rollaturen, Seh- und Hörhilfen, Einlagen oder Gehhilfen. Ein detaillierterer Blick auf die Zahlen führt vor Augen, dass die Tendenz steigend ist, denn der jährliche Anstieg der Ausgaben ist unverkennbar: Zwischen 2004 und 2010 stiegen die GKV-Gesamtausgaben um 26,7  Prozent an, die Ausgaben  für Hilfsmittel um 14,7 Prozent. Betrugen die Ausgaben der GKV für Hilfsmittel im Jahr 2004 noch rund 5,25 Mrd. Euro, so sind sechs Jahre später diese absolut um mehr als 750 Mio. Euro gestiegen.

Mit Blick auf die Entwicklung der Ausgaben fällt auf, dass seit 2005 der Kostenbereich Hilfsmittel jedes Jahr gestiegen ist, durchschnittlich um 3,1 Prozent, höchstens um 5 Prozent von 2006 auf 2007. Gesetzesvorgaben und Maßnahmenpakete waren hier also nicht wirklich erfolgreich, die Tendenz einer Steigerung der Ausgaben nachhaltig zu dämpfen oder aufzuhalten. Lediglich das Inkrafttreten des Gesetzes zur Modernisierung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GMG) im Jahr 2005 hat einen kurzzeitigen Rückgang der Ausgaben bewirkt.

Die Gründe für den Kostenanstieg sind in der Entwicklung bei Hilfsmitteln und dem zunehmenden Behandlungsbedarf für Patienten in einer vom demographischen Wandel geprägten Gesellschaft zu finden. Zudem lässt sich der Kostenanstieg in diesem Leistungsbereich auch mit der politischen Vorgabe „ambulant vor stationär“, nach dem zuerst alle Möglichkeiten der ambulanten Versorgung ausgeschöpft werden, erklären. Dies bestätigt auch der wachsende Anteil der Gesundheitsausgaben im ambulanten Bereich: Fast die Hälfte der Ausgaben (49 Prozent) entfallen inzwischen auf ambulante Einrichtungen, so die Statistik.

Die gestiegenen Ausgaben in der GKV für Hilfsmittel bestätigen die Ansicht, dass es sich beim Hilfsmittelmarkt um ein stark wachsendes Marksegment im Gesundheitsbereich handelt. Hinzu kommt, dass die Eigenverantwortung des Patienten merklich steigt. Das wird vor allem an der wachsenden Bereitschaft zur Zuzahlung bei Hilfsmitteln deutlich. Studien zufolge sind bis zu zwei Drittel der Patienten bei einfachen medizinischen Hilfsmitteln dazu bereit, sogar mehr als die Hälfte auf ein Standardprodukt aufzuzahlen. Aus ihrer Sicht sind wichtige Kriterien für die Auswahl der Hilfsmittel dabei insbesondere Funktionalität und Service. Der Preis spielt eine eher untergeordnete Rolle.

Die in diesem Zusammenhang wichtigsten Fragen lauten: Welche Hilfsmittel eignen sich besonders für Zuzahlungen und wer hat damit Erfolg? Welche Maßnahmenpakete könnten die Kostenträger planen und für welche Hilfsmittelgruppen eignen sich diese?