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Bislang hat sich die deutsche Wirtschaft im schwächelnden Europa als äußerst robust erwiesen und hält sich vor allem auch dank ihrer starken Exportzahlen erstaunlich gut. Weil Deutschland seine Export im ersten Halbjahr 2012 sogar steigern konnte, hält der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Anton Börner, den in Deutschland vorherrschenden „Konjunkturpessimismus für ein Jammer auf hohem Niveau.“ Also, alles nur viel Gerede um eine Krise, die nicht kommen wird?

Fakt ist, – so verraten es die jüngsten Daten des Statistischen Bundesamts – dass die Exporte nach Europa zweistellig eingebrochen sind. Aufgefangen hat diesen Trend die starke Nachfrage aus Übersee: Der Export in außereuropäische Länder kletterte demgegenüber rasant und nahm um gut elf Prozent auf 231 Mrd. Euro zu.

Auch der Industrieverband Spectaris hat im Rahmen seines  Jahresempfangs in Hamburg die Exportstärke Deutschlands hervorgehoben. Der Fachverband, der Unternehmen aus den Bereich Consumer Optics, Photonik und Präzisionstechnik, Medizintechnik und Analysen-, Bio- und Labortechnik vertritt, warf hierbei einen besonderen Blick auf die mittelständischen Unternehmen der Hightech-Industrie. Besonders in der exportabhängigen Medizintechnik kommt angesichts der Euro-Schuldenkrise, gedämpfter Konjunkturaussichten und geplanter Einsparungen im Gesundheitswesen der Suche nach neuen Märkten eine wachsende Bedeutung zu. Doch welche Länder liefern künftig Wachstumsimpulse, wenn die Auftragsbücher in Europa leer bleiben?

Der Branchenverband Spectaris sieht in vor allem in den so genannten BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China verlässliche Abnehmer deutscher Produkte. Was genau zeichnet aber diese Länder, für die der Chefvolkswirt von Goldmann Sachs, Jim O’Neill, die Anfangsbuchstaben der eigentlich geographisch teilweise sehr weit auseinanderliegen Länder zu einem Kunstwort verbunden hat, aus?

Die Zuwachsraten der Wirtschaftsleistung liegen in den BRIC-Staaten, die rund 40 Prozent der Weltbevölkerung vereinen, mit 5 bis 10 Prozent deutlich höher als der Durchschnitt in der EU. In Verbindung mit dem wirtschaftlichen Aufschwung steht die Modernisierung und der Ausbau der Gesundheitsinfrastruktur in diesen Ländern, was zu einem großen Bedarf an Medizintechnikprodukten führt. Weil bspw. Russland und China momentan das höchste Marktwachstum im Gesundheitssektor aufweisen, kann davon ausgegangen werden, dass deutsche Gesundheitsexporte in Zukunft erwartungsgemäß zulegen.

Insbesondere deutsche Mittelständler, die das Rückgrat der Medizintechnikbranche bilden, gehen mit ihrer hohen Auslandsorientierung ein Risiko ein. Aus diesem Grund sollte im Vorfeld der Erschließung neuer Märkte auf adäquate Methoden und Vorgehensweisen zur Generierung von relevanten Informationen zurückgegriffen werden. Fragen, die es im Zuge einer internationalen Expansion zu beachten gilt, könnten dabei wie folgt lauten: Welche Markteintrittstrategie (Export, Lizenzvergabe, Joint Venture/Strategische Allianz oder Tochtergesellschaft etc.) bietet sich an? Welche rechtlichen, finanziellen und kulturellen Rahmenbedingungen müssen beachtet werden? Welche Produkte/Sortimente werden in welchen Ländern besonders nachgefragt?