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Heute, am 29. Oktober 2013, ist Welt-Schlaganfall-Tag. Der Aktionstag wurde 2006 von der „Weltschlaganfall-Organisation“ (WSO) ins Leben gerufen, um unter anderem das Bewusstsein der Öffentlichkeit für das Thema Schlaganfall zu stärken. Weltweit gibt es rund 17 Mio. Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben und knapp sechs Millionen Schlaganfalltote pro Jahr. Doch wie stellt sich die Schlaganfallversorgung in Deutschland dar?

Jedes Jahr erleiden etwa 250.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. Mit einer Sterberate von 20 Prozent ist der Schlaganfall hierzulande die dritthäufigste Todesursache (weltweit sogar die zweithäufigste) und der häufigste Grund für Behinderungen im Erwachsenenalter. In erster Linie betrifft die Erkrankung zwar ältere Menschen, aber sie ist nicht alterspezifisch. Auch jüngere Menschen können einen Schlaganfall erleiden. Man schätzt, dass ca. 15 Prozent aller Schlaganfall-Patienten jünger als 45 Jahre sind. Pro Jahr sind in Deutschland etwa 9.000 bis 14.000 Männer und Frauen unter 50 Jahren betroffen. Jährlich erleiden auch circa 300 Kinder einen Schlaganfall.

Der Schlaganfall ist die häufigste Ursache für erworbene Behinderungen. Rund die Hälfte der überlebenden Schlaganfall-Patienten bleibt ein Jahr nach Ereignis dauerhaft behindert und ist auf fremde Hilfe angewiesen. Heute leiden etwa 1 Mio. Betroffene an den Folgen. Die meisten mittleren und schweren Behinderungen sind auf den Gehirnschlag zurückzuführen, da er oft mit einem (halbseitigen) Verlust der Motorik einhergeht. Die Art und die Ausprägungen möglicher Behinderungen fallen ganz unterschiedlich aus: Sprachstörungen, Sehschwächen oder Lähmungen können auftreten.

Die Versorgung der Betroffenen hat sich zuletzt stärker spezialisiert. In Deutschland existieren knapp über 200 regionale und überregionale Stroke Units (nach dem Zertifizierungsverfahren der Deutschen Schlaganfall Gesellschaft). Dies sind spezielle Zentren, die sich auf die schnelle Diagnose und Behandlung des Schlaganfalls spezialisiert haben. Es wird geschätzt, dass derzeit zwischen ca. 60 Prozent der Schlaganfallpatienten in Deutschland auf einer Stroke Unit (SU) behandelt werden. Insbesondere in Ballungsräumen hat sich die Versorgung erheblich verbessert. Aber nur rund 50 Prozent aller Schlaganfall-Patienten haben Zugang zu Stroke Units. Problematisch ist die Situation in ländlichen Gebieten, in denen keine Stroke Unit unter  30 Min. erreichbar ist.

Auch Schlaganfallnetzwerke, wie bspw. STENO in Erlangen, Nürnberg und Bayreuth, haben zur Verbesserung der Versorgung beigetragen. Diese Kooperationsmodelle bestehen aus mehreren verschiedenen Teilnehmern aus der Akutbehandlung, Rehabilitation und Nachsorge sowie weiteren verbundenen Organisationen. Dabei setzten vor allem Flächenbundesländer wie Mecklenburg-Vorpommern oder Bayern auf telemedizinische Anwendungen, um die Qualität der Versorgung sicherzustellen.

Wie funktionieren die Schnittstellen zwischen stationären Aufenthalt und Entlassung in die häusliche Umgebung? Grundsätzlich funktionieren die Schnittstellen zwischen Klinik und Nachversorger gut. Allerdings sind etwa bei der Überleitung in die häusliche Umgebung mindestens 4-5 Beteiligte (Produktversorger, Pflegedienst, Familie, Haus- und Facharzt) beteiligt, die eine Koordination erschweren. Hier gibt es erst wenig Modelle seitens der Krankenkassen, die an der Vernetzung von stationärer Therapie mit der ambulanten Nachsorgen ansetzen. Vor dem Hinblick einer steigenden Anzahl an Betroffenen besteht hier Bedarf an neuen Modellen.