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Die Überschüsse der gesetzlichen Krankenkassen belaufen sich mittlerweile auf rund 30 Milliarden Euro, wenn man die Reserven des Gesundheitsfonds und der gesetzlichen Krankenversicherung zusammenzählt. Infolgedessen bieten mehrere Kassen den Personen eine Prämie, die sich bis zu einem bestimmten Stichtag bei der Krankenkasse versichern oder über einen gewissen Zeitraum Mitglied sind. Mit der Prämie wollen die Kassen weitere Mitglieder rekrutieren.

Nun ist aber eine der drei größten deutschen Betriebskrankenkassen mit rund einer Million Mitgliedern, die BKK Mobil Oil, wegen ihrer Mitgliederwerbung in die Kritik geraten. Nach einem Bericht des NDR soll die BKK Mobil Oil versucht haben, Kunden anderer Kassen bei unangekündigten Hausbesuchen mit Fangprämien abzuwerben.

Zum Vorwurf: Die Hannoversche Firma „pro us GbR“ habe im Auftrag der BKK Mobil Oil Kunden anderer Kassen unangekündigt besucht und bei Abwerbegesprächen 200 Euro geboten, wenn die Besuchten ihre alte Kasse verließen und zur Mobil Oil wechselten. Zudem wirft der NDR dem Vertriebspartner vor, dass Mitarbeiter mit dem Kassenwechsel zugleich Telefon- und Energie-Verträge angeboten hätten.

Die BKK Mobil Oil selbst spricht von einem „normalen Bonus-Programm“, sei aber bereit, das Kundenfeedback und die Zusammenarbeit mit der Vertriebsfirma zu prüfen. Die Kasse betont, dass es sich bei der Prämie vor allem um ein Bonusprogramm „fit for cash“ für die eigenen Mitglieder handele. Rechtlich betrachtet ist offen, ob es sich bei den pro us-Methoden um eine getarnte Wechselprämie handelt. Sowohl unangekündigte Besuche als auch Wechselprämien sind verboten. Das Bundesversicherungsamt untersucht derzeit nach eigenen Angaben die Vorwürfe gegen die BKK Mobil Oil und prüft die Einleitung eines so genannten Aufsichtsverfahrens.

Der Wettbewerb um Mitglieder in der GKV ist derzeit im vollen Gang. Im vergangenen Jahr erhöhte sich die Mitgliederzahl in der GKV um rund 414.000 Personen. Als Gewinner im Wettbewerb um die Mitglieder gilt die Techniker Krankenkasse, dessen Anteil am Plus der gesamten Branche fast zwei Drittel (262.000) beträgt. Als Verlierer steht die drittgrößte Krankenkasse DAK-Gesundheit fest: Die Mitgliederanzahl der auch finanziell angeschlagenen Kasse ging um über 40.000 zurück. Einen Rückgang im fünfstelligen Bereich hatten auch die Deutsche BKK, die AOK Plus, die AOK Nordost und die AOK Sachsen-Anhalt zu verzeichnen.

Im Wettbewerb um Mitglieder dürfte interessant zu beobachten sein, ob die knapp 20 Krankenkassen, die 2013 Beiträge an ihre Mitglieder erstatten wollen, tatsächlich von der Einmalauszahlung profitieren. Andere Kassen, so etwa  auch die DAK Gesundheit, setzen das Geld aus der Rücklage hingegen für ein verbessertes Leistungsangebot ein.