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Anhaltende Apothekenschließungen (momentan schließen pro Woche sechs Apotheken), festgefrorene Apothekenhonorare, eine unzufriedene Honorierung der Nacht- und Notdienstversorgung – die derzeitige Situation in der Apothekenlandschaft ist für die betroffenen Apotheker alles andere als zufriedenstellend.

Doch wie sieht es in Zukunft aus? Folgt man der Zukunftsprognose von Experten, sieht es um deutsche Apotheken in den kommenden zehn Jahren ebenfalls nicht gerade vielversprechend aus. Im Rahmen einer von der Apothekergenossenschaft Noweda initiierten und von Professor Kaapke durchgeführten Delphi-Studie, an der sich 127 Experten aus der pharmazeutischen Industrie, aus öffentlichen Apotheken, aus der Gesundheitsverwaltung sowie aus Politik und Wirtschaft beteiligten, glaubt fast jeder Zweite an eine Verschlechterung.

Die Studie, bei der die Experten in zwei Befragungsrunden ihre Einschätzungen konkretisierten, zeigt deutliche Tendenzen zur Zukunft öffentlicher Apotheken auf:

Qualifiziertes Personal: Bei der Personalstruktur sehen drei Viertel der Fachleute eine Verschiebung hin zu höher qualifizierten Berufsgruppen, primär zu Approbierten, aber auch zu PTA, kommen. Zwar dient dies der Differenzierung der Apotheke zur Konkurrenz, etwa den Drogeriemärkten, allerdings zieht die Entwicklung auch höhere Personalkosten nach sich.

„Apotheke light“: Experten prognostizieren einen Rückgang der Apotheken, die Rezepturen (52 Prozent Zustimmung) und Defekturen (27 Prozent Zustimmung) anfertigen. Grund dieser Tendenz sei der ökonomische Zwang sowie eine zunehmende Spezialisierung. Zwar könnten Rezepturen im Filialverbund auch zentral hergestellt werden, an kleinen Standorten seien Vollapotheken aber nicht rentabel. Neue Modelle, so das Ergebnis der Studie, reichen von Apotheken mit eingeschränktem Angebot bis hin zu „Shop-in-Shop“-Formaten.

Schlechtere Ertragslage: Auch wenn beim jüngst veröffentlichten Apotheken-Konjunkturindex sich etwas Licht unter der trüben Wolkendecke abzeichnete, rechnet fast die Hälfte der Experten mit einer zunehmenden Verschlechterung der Ertragssituation. Gründe hierfür sind die steigenden Betriebskosten, magere Großhandelskonditionen und neuerliche Sparmaßnahmen der Bundesregierung. Allerdings sieht ein Viertel mögliche Aufwärtstrends: durch immer weniger Apotheken im Markt bei steigendem Bedarf an Arzneimitteln.

Regulatorische Eingriffe des Gesetzgebers: Staatliche Maßnahmen, wie die Korrektur von Fixhonoraren,  sind vor allem denkbar, um strukturschwache Regionen zu versorgen. Der Trend geht weg von Einzelapotheken und hin zur Kette, denn die Zahl der Apotheken in Filialgruppen ist weiter gestiegen. Inzwischen werden rund 30 Prozent der Apotheken in Filialverbünden mit zwei bis vier Betriebsstätten betrieben. Immerhin erwarten 41 Prozent eine Liberalisierung des Fremdbesitzverbots, während 59 Prozent dies für politisch nicht konsensfähig und für ökonomisch nicht erforderlich halten.

Apothekensortiment: Hier stellt sich ein geteiltes Bild dar. Gemessen an Packungszahlen sehen die Befragten eine Abnahme von OTCs auf unter 40 Prozent kommen. Der Wert lag laut ABDA in 2011 bei 42,4 Prozent. Allerdings wird davon ausgegangen, dass der Umsatz im OTC-Segment weiter ansteigt. etwa durch Erstattungsrestriktionen oder den OTC-Switch diverser „Blockbuster“. Auf der anderen Seite könnte durch demographische Tendenzen sich der Prozentsatz an Rx-Rezepten nach oben bewegen. Zur Umsatzstabilisierung seien rechtliche Auflockerungen beim apothekenüblichen Nebensortiment denkbar – hin in Richtung Drogeriemarkt.

Mehr ärztliche Leistungen: Rund 45 Prozent der Studienteilnehmer geben an, pharmazeutische und medizinische Dienstleistungen würden in den nächsten zehn Jahren an Bedeutung gewinnen. Apotheker könnten sich mit Programmen zur Betreuung chronisch kranker Patienten (Disease Management), zum Medikationsmanagement oder zum Health Care Management profilieren.